Ich zweifle, ob ich noch mit Knoblauch kochen darf

Heute ist es keine Eilmeldung, die mich treibt, heute ist es wieder die Summe galoppierenden Unfugs, der mich umtreibt. Ich muss einfach rauslassen, was ich über so manches denke, was in jüngster Zeit geschehen ist … und datt mach‘ ich getz auch.

Beispiel Düsseldorf: Das lebt ein Mann seit 40 Jahren in einem Haus, und nun wird ihm gerichtlich unterfüttert die Bude gekündigt. Der Mensch zählt 75 Lenze, er hat eine Leidenschaft, die Leiden schafft, die ich aber auch so um die 4o Jahre mit ihm unbekannter Weise teilte: Er qualmt wie ein Schlot. Na und? Das mag man fragen, richtig. Schließlich pafft er seine Schmergel ja in den eigenen vier Wänden, zumindest denen, die er seit 40 Jahren angemietet hatte und für die eigenen erachtete. Darf er aber nicht, zumindest folgt man dem abstrusen Urteil der Düsseldorfer Richter, die Geruchsbelästigungs freies Dasein Dritter als das höher zu schützende Gut gegenüber einer Privatsphäre stellten. Nun ja, das mit der Privatsphäre ist eh nicht mehr so schwerwiegend, die schützt niemand mehr, seit es internette Kommunikation gibt, also muss die auch in der eigenen Wohnung keine Schonzeit mehr haben. Ich stelle mir gerade vor, so als leidenschaftlicher Hobbykoch, dass einer meiner Mitbewohner im Hause das überempfindliche Näschen rümpft, wenn ich Knoblauch röste, dass ich ihm in frisch gekochten Reis menge und somit eine delikate Beilage zum Fisch servieren kann. Tags drauf flattert mir die Kündigung in den Briefkasten. Intoleranz und Verfolgungsjagden gegen alles, was sich nicht in den Mainstream-Passpartout fügt, haben Konjunktur. Wir gehen immer schöneren gesellschaftlichen Zeiten entgegen … meint ein langjähriger Nichtraucher, der sich energisch dagegen wehrt, dass ihm staatlicherseits langsam alle Orte entzogen werden, wo er mal Passivrauchen darf.

Beispiel Berlin: Ja, diese Stadt ist häufig Beispielstadt, da sind ja auch die meisten Beispielgeber versammelt, ist ja schließlich Hauptstadt. Ich schrieb es ja schon mal, dass diese ganze Sache mit den Plagiatjägern zur reinen Plage wird. Norbert Lammert soll nun auch angeblich falsch zitiert haben. Den Mann muss man ja eigentlich schätzen, ob man seiner Partei und deren Mutti-Stream nahe steht oder nicht. Norbert Lammert war an der Uni ein hochgeschätzter Lehrer, wurde Jahre später noch von ehemaligen Studentinnen und Studenten geschätzt, spielt den Part des Bundestagspräsidenten in einer Weise, dass man auch Bollwerk der demokratisch gewählten Abgeordneten zu ihm sagen darf. Und nun kommt einer daher und meint, der habe durch sein „fahrlässiges Umgehen mit Zitationsvorschriften“ seine Doktorarbeit zwar handgefertigt, aber den Titel nicht korrekt erworben. Nun bin ich auf die nächste Enthüllung gespannt: Albert Einstein hat bei sich selbst abgeschrieben, Edvard Teller bei Albert Einstein, Oppenheimer bei beiden und die Atombombe wurde von Chuck Norris entwickelt, weil er sich das beste aus den Plagiaten der Vordenker gesucht hatte.

Beispiel Unna: Ihr mögt staunen, aber selbst in unserer schönen Stadt gibt es Menschen, denen ich zutraue, dass sie dann und wann mal kraus denken … aber wirklich nur ganz selten. Eric „Ete“ Zabel wurde gerühmt, als er noch in die Pedale trat und den Namen Unnas in die weite Welt des Radsports trug. Dann aber entfuhren ihm schluckzessive ein paar Geständnisse, die ihm unversehens zur Person non grata machten. Heute schüttelt’s jede und jeden, wenn sein Name genannt wird: Der hat doch gedopt, igitt.

Ja hat er, damit er im Peloton der Tour de France nicht nur stets in der Zeit blieb, sondern auch vorn weg fahren konnte. Er hat gedopt, weil eine Gesellschaft, die nur Spitzenleistungen honoriert, solche von ihm erwartete und er sie ihr servieren wollte. Er hat gedopt, weil er gegen andere Kollegen bestehen wollte, deren Gesellschaften das selbe von ihnen erwarteten. Punkt. Beim internationalen Radsport wurde gedopt seit es diesen gibt und wird es auch heute noch. Solange Gesellschaften nur den toll finden, der vorn bleibt, werden Fantasien in die Entwicklung von Mittelchen zur Leistungssteigerung gesteckt, die man prima darauf verwenden könnte, eine Impfung gegen Schnupfen zu erfinden. Lass sie alle empört sein, ich finde „Ete“ auch heute noch nett.

Beispiel Europa: Mir schwante, dass in Europa daran gearbeitet wird, eine alle beteiligten Staaten verpflichtende Verfügung zu erlassen, dass zukünftig jede – in Worten nochmal – jede, also auch die militärisch genutzte Munition, komplett bleifrei und ökologisch abbaubar hergestellt sein muss. Der Verbraucher müsse zukünftig sicher sein, für den Fall, dass er die kriegerische Auseinandersetzung überleben wird, auch in darauf folgenden Friedenszeiten bei dem Verzehr von Gemüse oder Früchten eine von Schwermetallen freie Kost zu sich zu nehmen. Na, das nenne ich mal Fürsorge. Achtung – das war ein Kartong!

2 comments for “Ich zweifle, ob ich noch mit Knoblauch kochen darf

  1. Friedrich Lehmkühler
    31. Juli 2013 at 14:50

    Als ehemaliger Powerraucher und Nichtraucher seit gut 27 Jahren habe ich beim Düsseldorfer Urteil mal genauer hingeschaut. Es ging bei dem Urteil überhaupt gar nicht ums Rauchen, sondern nur darum, dass die Anwältin des bedauernswerten Süchtigen 😉 eine Frist verpennt hatte. In der Sache hat sich das Gericht überhaupt nicht geäußert.

    • 31. Juli 2013 at 15:20

      Hi Friedrich, supi, dass du kommentierst. Und mich auf einen Mangel an Umsicht meinerseits aufmerksam machst, danke. Aber eines bleibt gültig: Die Stimmung wider den Raucher als solchen wird immer ungemütlicher. Und weil ich erst drei Jahre das mache, was du schon 27 tust (Respekt), bin ich noch so gern ein Passivraucher. LG, Rudi.

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