Erst kam die Sonne, dann bestrahlte sie Sigmar Gabriel, dann kam der Regen und nach ihm ließ der BVB die Sonne wieder strahlen

Ja, schöner kann ein Tag fast nicht sein. Der Samstag begann sonnig, er peinigte uns ein wenig, als wir begannen, den Alten Markt in Unna in sozialdemokratische Vollmöblierung zu kleiden, weil keiner so recht gegen die Hitze antrinken konnte, alles blieb sonnig, bis die ferienleere Stadt sich gefüllt hatte und fast pünktlich Sigmar Gabriel aufschlug, um als ebenso unterthaltsamer wie nachdenklicher und nachdenklich machender Redner den 150. Jahrestag der SPD-Keimlegung beschwor, der einzigen demokratischen Partei Deutschlands, die es in ihrer Geschichte jemals nötig hatte, schamhaft ihren Namen zu ändern, denn ihre Fehler, deren Dasein Sigmar Gabriel nie bestritt, waren nie so epochal, dass man sie zwingend aus dem Gedächtnis der Historie streichen musste. Es blieb sonnig, nachdem er Unna hinter sich gelassen hatte, und dann kam das Hitzegewitter. Dann aber hielt sich die samstägliche Sonne bis in den Abend, damit der BVB im Westfalenstadion es auch schön hatte, als er mit einem sehr deutlichen 4:2 den FC Bayern schon wieder nervös nach Hause schickte und den Supercup mit in sein selbiges nahm. Was für ein schöner Tag!

Volker König und Sebastian Laaser (nicht iim Bild, war zu schnell) beim Aufbau. (Fotos: Rudi Bernhardt)

Volker König und Sebastian Laaser (nicht iim Bild, war zu schnell) beim Aufbau. (Fotos: Rudi Bernhardt)

Aber von vorn. Wie immer waren Volker König (SPD-Vorsitzender in Unna) und Sebastian Laaser (der Bildungmensch) schon da, als der morgendliche Aufbau allen verfügbaren Gerätes begann. Ihnen folgten nach und nach zahllose Helferinnen und Helfer wie Michael Tietze und Vornamensvetter Nicolaicuc, der mir ein überzähliges Brötchen schenkte, weil ich noch nicht gefrühstückte hatte. Beate Heidrich kam mit Zentnern von Waffelteig aus Billmerich angekarrt, Franz Weber baute tapfer seinen Grill auf, versprach aber sich diesmal nicht den Bau an der Glut zu verbrennen, aus allen Himmelsrichtungen des Kreises stellten sich Jusos ein und bauten auf, was aufzubauen war, aus Schwerte kamen Scharen der dortigen AG 60plus, Lünen, Bönen – damit ich keinen vergessen oder übersehen habe: Aus dem ganzen Kreis Unna waren die Sozis nach Unna gefahren, um da zentral den Parteigeburtstag zu feiern. In beinahe voller Ausdehnung wurde der Markt vorbereitet, dass ganz viel Unna mitfeiern konnte.

Hartmut Ganzke (hofft da noch auf einen Bayern-Sieg) im Gespräch mit seinem Kollegen Rainer Schmeltzer.

Hartmut Ganzke (hofft da noch auf einen Bayern-Sieg) im Gespräch mit seinem Kollegen Rainer Schmeltzer.

Und alles war bereit, als gegen 12 Uhr Sigmar Gabriel energisch voran schreitend und begleitet von Oliver Kaczmarek (MdB) und Hartmut Ganzke (MdL)Rainer Schmeltzer MdL, Lünen), später noch die Landräte Michael Makiolla und Martin Wiggermann (dessen entfernter Verwandter, Ex-Kollege Werner Wiggermann zuvor die Talkrunden moderiert hatte) und Volker König die Bühne hinauf schritt, dass er nach Olivers Begrüßung seine Rede halten konnte.

Die "Alten" geben gern beste Tipps: Oliver Kaczmarek hört aufmerksam zu, wenn Wolfram Kuschke ihm was sagt.

Die „Alten“ geben gern beste Tipps: Oliver Kaczmarek hört aufmerksam zu, wenn Wolfram Kuschke ihm was sagt.

Wow, er war gut vorbereitet, besser als jemand, der nur einmal in Unna war, um damals noch als Umweltminister der Großen Koalition seine Vorstellungen von der zukunftigen Entwicklung des Landes in dieser Hinsicht vorzulegen. So erzählte er nicht nur, dass Gründer Lassalle kurz nach dem Parteierfolg unerwartet dahin schied, weil er sich aus galanten Gründen unbedingt duellieren wollte, erinnerte nicht nur an August Bebel, dessen Taschenuhr nur Willy Brandt noch tragen durfte, als er längst nicht mehr Parteivorsitzender war, rühmte nicht nur den felsenfesten Otto Wels, der  in der Kroll-Oper die Sozialdemokraten (schon nicht mehr unversehrt und vollständig) mobilisierte, als er den Nazis entgegen rief: „Freiheit und Leben könnt ihr uns nehmen, die Ehre nicht!“. Sigmar Gabriel erzählte auch von dem Massener Genossen, der pfiffig ankündigte, Kaisers Geburtstag feiern zu wollen und unter den Augen der strengen Staatsmacht mittels roter Schleifen, die er in Unna besorgt hatte, eine SPD-Demo daraus machte, als diese vaterlandslosen Gesellen noch allerorts mit Verboten belegt wurden.

Raimon Weber: Er war mal ein kampfeslustiger Juso.

Raimon Weber: Er war mal ein kampfeslustiger Juso.

Sigmar Gabriel hatte in jeder Hinsicht die Erwartungen der vielen Besucherinnen und Besucher erfüllt, ob sie nun, was sehr schwer gefallen sein dürfte, ihren Ärger über den Auftritt loswerden wollten oder fröhlich Beifall klatschen, wenn er, was häufig geschah, etwas punktreffend formulierte. Unnas Romancier Raimon Weber, einst besonders aufmüpfiger Juso, mit dem ich ein delikates Eis schleckte, während wir uns alten Zeiten näherten, Klaus Dunker und Freund Helmut Eichhorst, Uli Knies, Michael Sacher, unser ehemaliger Landtagsabgeordneter Wolfram Kuschke oder Bürgermeister Werner Kolter, der mit Ehefrau Simone zuhörte, alle hat Sigmar Gabriel mit einem sicher mitgenommen: mit dem Umstand, dass er diese Ansprache mit dem Herzen vortrug, obwohl das in dieser Form ganz sicher nicht das erste Mal war, dass er sich auf die gastgebende Stadt vorbereitet hatte und dass er das legendäre Otto Wels-Zitat so aussprach, dass ich dabei feuchte Augen bekam.

Massener Sozi-Urgesteine: Horst und Siggi der Seebär.

Massener Sozi-Urgesteine: Horst und Siggi der Seebär.

Sigmar blieb noch ein wenig, er unterhielt sich angeregt mit Bürgerinnen und Bürgern Unnas, mit alten Genossen und auch mit kritischen Stimmen, die mit dem einen oder anderen nicht einverstanden waren, was er als Botschaft vor sich her trug. Und als er dann die Stadt wieder verließ, kam der abkühlende Regen. Ahhh! Ich trollte mich auch so langsam, war gar nicht böse, dass mein Rucksack durchnässt worden war, denn er kühlte mir den Buckel. Auf dem Weg zum Bahnhof traf ich noch Günter Luhmann, meinen Freunde aus Dortmunder Jugendtagen, mit dem ich Ostermärsche und Rote-Punkt-Aktionen erlebte. „Na, wie war’s“, fragte er. „Geil!“ Und dann wünschten wir beide noch unserem Verein einen Sieg, zumindest aber, dass er sich gut verkaufen werde. Wie gut das gelang, wird zumindest Bayern-Fan Hartmut Ganzke betrübt haben und die Schalker Freunde, Oli, Karl, Valerio oder Harry arg ins Grübeln gebracht haben. Guter BVB!

Zwei Vorsitzende unter sich: Volker König (links) mit Sigmar Gabriel.

Zwei Vorsitzende unter sich: Volker König (links) mit Sigmar Gabriel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier könnt Ihr Euch mal den Auftritt von Sigmar in Unna anschauen.

 

 

 

 

1 comment for “Erst kam die Sonne, dann bestrahlte sie Sigmar Gabriel, dann kam der Regen und nach ihm ließ der BVB die Sonne wieder strahlen

  1. Heike Gutzmerow
    28. Juli 2013 at 11:15

    Lieber Rudi, nach dieser Rede und vor allem wenn man die Geschichte dieser Partei berücksichtigt muss man dies jedem und jeder immer wieder erzählen damit „AussitzerInnen“ und „MitschwimmerInnen“ nicht weiter über dieses Land bestimmen können.
    Zu dem genialen Spiel am Abend kann ich nur sagen Triplesiegerbesieger ähnlich Kult wie Weltpokalbesieger. Die Fans auf der Süd haben auch die richtigen Gesänge angestimmt auch wenn es dem unerträglichen Reporter des ZDF´s nicht gepasst hat.
    Du hast schon recht ein sehr schöner Samstag im Juli und heute hoffe ich, dass die Mädels in Schweden den Titel erneut gewinnen werden. Also Daumen drücken 🙂

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