Springer/WAZ (2): Wird die „Welt“ bald für Funke aus aller Welt berichten?

Ahaaaa! Dafür also musste so viel Kohle eingespart werden, das war also der Sinn der kompletten Eigenblutentlehrung der Westfälischen Rundschau. Das hier liest der interessierte Leser einer mit reichlich Eigenblut gefüllten Süddeutschen Zeitung: „Die Axel Springer AG, zu der auch die Bild-Zeitung gehört, verkauft ihre Regionalzeitungsgruppen Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt. Außerdem trennt sich der Konzern von den Programm- und Frauenzeitschriften Hörzu, TV Digital, Funk Uhr, TV Neu, Bildwoche, Bild der Frau und Frau von Heute.“ Und weiter geht es: „Neuer Eigentümer soll die WAZ-Mediengruppe werden, die seit 2013 offiziell Funke-Mediengruppe heißt …“ 920 Mio. Euro soll den Funkes/Grotkamps der Deal kosten. Die regionalen Auflagen stürzen zwar ab, also steigern wir die Gesamtauflage mal fix durch Zukäufe. Klar, ich weiß auch, dass die Sache nicht so einfach ist, aber ich bin sauer.

Erst wird meine berufliche Heimat entleibt, dann werden auch noch deren individuelle Auflagen an ehemalige Konkurrenten verkauft und alles wird damit begründet, dass man ja den traditionsbeladenen Titel „retten“ müsse. Arbeitsplätze in Serie werden einfach auf einen siechen Markt geworfen, der überwiegend Arbeitslose aufnehmen kann, aber keine Arbeit bieten. Und das alles, weil eben jene WR den armen Gesamtkonzern mit ihrem ständigen Zuschussbedarf dergestalt ins Elend stürzte, dass man ja gar nicht mehr anders können konnte als so rüde Konsequenzen zu ziehen. Diese WR aber auch.

Und plötzlich – beinahe innerhalb einer Nullsekunde – ist so viel Geld da, dem überreichen Springer Verlag ein paar Juwelen aus der Krone zu kaufen, die der allerdings offenbar loswerden wollte, solange sie noch funkeln in den Gieraugen von Funke und Co. Wenn nur nicht die WR von Beginn an (so hieß es mal wörtlich aus der Geschäftsführung) rote Zahlen produziert hätte, vielleicht hätte die WAZ schon vor vielen Jahren den ganzen Springer-Konzern verspeist. Böse Westfälische Rundschau!

Nun, eines klärte sich bereits auf: Wie das seriöse Medienportal „meedia“ berichtet, leiht Verkäufer Spinger den Käufern Funke rund 260 der Kaufmillionen langfristig aus eigener Tasche. Der Rest ist in zwei Tranchen zu zahlen. Und außerdem werden noch gemeinsame Gründungen (Bereich Vertrieb und Anzeigen für Print und digitale Medien) angekündigt, die die beiden Größten auf dem Markt enger zusammenschließen werden. In meine obige Spekulation grübelt sich auch „meedia“: Springer wird einige Print-Objekte los, ehe die noch weiter an Marktwert verlieren.

Der DJV (Deutsche Journalistenverband) äußert sich im Netz verhalten bis skeptisch. Sein Appell richtet sich unzweideutig an die Funke-Gruppe. Die Finanzierung des Deals dürfe nicht über weitere Radikaleinsparungen bei den Stammtiteln in NRW finanziert werden.

Was Neues!!! So sieht das also aus, wenn die Verlagszusammenarbeit zwischen Springer und Funke-Gruppe ernst wird. In dem Internet-Mediendienst turi2.de wird mit Bezug auf Veröffentlichungen im Handelsblatt berichtet: „Die Axel Springer AG und die Funke-Mediengruppe wollen neben der geplanten Kooperation in Vertrieb und Werbung auch redaktionell eng zusammenarbeiten, berichtet das „Handelsblatt“. Danach soll die bei Springer bleibende „Welt“ ihre überregionalen Artikel nicht nur weiter an die Funke-Neuerwerbungen „Berliner Morgenpost“ und das „Hamburger Abendblatt“ liefern, sondern auch an traditionelle Funke-Zeitungen wie „WAZ“, „Braunschweiger Zeitung“ und „Thüringer Allgemeine“. Redakteure der Funke-Zeitungen befürchten, die Belegschaften würden „künftig auf Lokalzeitungsniveau zusammengeschrumpft“, so das „Handelsblatt“, und mit einem „Einheitsbrei“ von der „Welt“ gefüttert. Basis für den deutlichen Abbau von Medienvielfalt in Deutschland könnte Springers Redaktionssystem „Newsgate“ sein, über das die Redakteure von „Welt“, „Abendblatt“ und „Morgenpost“ Einsicht in Artikel haben, die Kollegen der beteiligten Zeitungen schreiben. Eine Ausweitung des Nachrichtenverbundes auf die Funke-Titel wird derzeit zwischen Springer und Funke diskutiert.“

Es gibt schon merkwürdige Reaktionen auf manches, was sich im Zusammenhang mit Hurrican-artigen Veränderungen auf dem Medienparkett so lesbar macht. Dass ausgerechnet eine taz fast reflexartig kommentieren lässt, dass man keine mitleidsartigen Wallungen bekommen möge, wenn Entlassungen bei Springer anstehen, wirkt groteskt. Sehr klug hingegen äußert sich dazu Bettina Hennig bei newsroom.de. Ruhig mal lesen, auch wenn ihre Betrachtungsweise erfrischend ausformuliert und keinerlei Änsgte vor der Länge eines Artikels aufweist.

Da lohnt es sich, auch zu lesen:

carta

turi2.de

meedia.de

newsroom.de

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