Warm, wa? Zu heiß für Pedaltreter, Leisetreter und Volksvertreter

Geht’s noch? Boah ey, die Hitze tut anscheinend niemandem gut. Nicht den Sportfunktionären, nicht den Polit-Funktionären, auch real funktionierenden Sportberichterstattern nicht und auch Berliner Hauptakteuren ist es offenbar deutlich zu warm, sonst gäbe es nicht einen solchen Unfug allüberall.

Beispiel Stuttgart: Ein Schüler sagt über Bubi Rösler, dieser sei ein Loch (bin ja gut erzogen). Da gibt’s ein energisches: „Du, du, du!“ Justitia zeigt sich ungemein erzieherisch und lässt den Heranwachsenden einen Aufsatz als Strafarbeit verfassen, den er als Entschuldigung dem Minister zuzusenden hat. Gemein, Strafarbeiten verteilen, wo doch Sommerzeit ist. Gemein, eine solche Strafarbeit aufzugeben, bei der man den Verfasser in Gewissensnöte bringt, denn er soll sich ja aufrichtig entschuldigen. Ich kann ihn aber gut verstehen, dass dabei nur eine gewisse Halbherzigkeit herauskommen wird, weil aufrichtig sein und gleichzeitig Bubi als famosen Zeitgenossen, der exakt den richtigen Platz einnimmt, zu beschreiben, das nennt man eine „contradictio in se ipso“ (Widerspruch in sich selbst). Bin mal gespannt, ob BILDhafte Nachrichten darüber erscheinen werden, wie sich der junge Mann dieser Zwickmühle entzog.

Beispiel Paris: Da veröffentlicht doch die unbestechliche Anti-Doping-Kontroll-Behörde des internationalen Radrennsports nun die verblüffende und inzwischen beweisbare Feststellung, dass der früh verstorbene Marco Pantani aus Cesenatico an der Adriaküste (war 1998 Tour-Sieger) und der Zweitplatzierte Jan Ullrich seinerzeit die strammen Beine und aufgeblähten Lungen mit Epo noch geländegängiger machten, als diese es ohnehin schon waren. Na, das ist ja mal eine Neuigkeit. Bei der Tour wurde tatsächlich schon damals gedopt! Nun, wer sich das angesehen hat, was namentlich diese beiden Leistungstreter ablieferten, der war schon 1998 fest davon überzeugt, dass nichts mit normalen Maßstäben zu vermessen war, was während der Tour ablief. Auch bei dem Volkshelden aus Rostock nicht, der beim Höhepunkt einer hochlpinen Etappe angeblich einen Hungerast beklagte, heillos gegenPantani zurückfiel und bereits am nächsten Tag wieder in der Lage war, dem adriatischen Leichtgewicht, auch „Pirat“ genannt, fortzufahren. Entweder war da was faul, oder die Familie Bush war insgeheim die Basisorganisation amerikanischen Pazifimus‘. Aber: Nun ist es ja endgültig bewiesen. Ach ja, und Ete Zabel gehörte auch noch zu denen, die mit Beweisen bewehrt jedes Leugnen des Epo-Dopings unterlassen sollten. Allerdings sehe ich bei unserem Ete immer noch so was wie den gloriosen Erfolg in einem sportlichen Wettbewerb: Während sein Dauerrivale als weltbester Profi-Sprinter, Mario Cipollini, nicht eine Tour bis zu Ende fahren konnte, kriegte Eric das jedesmal hin, kletterte jeden noch so hohen Berg hoch, kam über alle schwersten Steigungsetappen und kämpfte auf den Champs Elysée immer um den ersten Platz am Ende einer jeden Tour. Übrigens: Auch Mario Cipollini warf immer erst mal Epo ein, bevor er antrat.

Beispiel Berlin: Die Liberalen wollen sich Liebkind machen, den Soli endlich schlachten. Die CDU wehrt sich, weil sie sonst gar nicht mehr weiß, wie sie alles bezahlen soll und gleichzeitig den Haushalt konsolidieren. Unzählige Städte im Lande haben keinen Schimmer mehr, wie sie mit Soli und allen anderen Lasten, die Berlin ihnen auferlegt hat, noch über die Runden kommen sollen. Und wir alle zahlen mehr, als im Osten vom Geld ankommt, stellt man sogar BILDhaft fest. Also muss es ja stimmen, was wir schon lange ahnten: Die meiste Kohle strömt in den allgemeinen Haushalt. Deher: Wetten dass …? Der Soli wird bleiben, denn wir zahlen ja auch heute noch die Sektsteuer – und die war mal n u r dafür eingeführt worden, dass Admiral Tirpitz genügend Kohle bekam, um für Kaiser Wilhelm II. eine Flotte zu bauen. Und? Wurde das irgendwann mal abgeschafft?

Beispiel München/Werbelinsee: Heute (24. Juli 2013) vor genau 30 Jahren handelten Sonnenkönig Franz-Josef Strauß und Arbeiterführer (Ach, die Bauern habe ich vergessen, die führte er ja auch.) Erich Honecker aus, der barocke Bayer werde dafür sorgen, dass dem puritanischen Asketen in der DDR rund zwei Milliarden in zwei Tranchen überwiesen werden. Natürlich nicht aufs persönliche Konto, schließlich war er ja ein Asket, sondern auf das des Staates, weil der pleite war. Im Gegenzug sollte der asketische Erich sich für weitere Aufweichungen der Reisebeschränkungen einsetzen, Klasse Deal. Nun, zehn Jahre später gab es die DDR nicht mehr. Hätten wir schneller und billiger haben können, ohne die sprichwörtliche Weitsicht von Franz-Josef. Aber vergessen, es war vermutlich auch damals ordentlich heiß.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.