Was macht …? (2) Dank Renate kann Claudia noch heute Zehnfinger-Tippen

Eins steht fest: Nur dank Renate Panteleit kann ich heute mit Zehn-Finger-System tippen. Das müsse ich lernen, um ein Praktikum in der Redaktion Unna der Westfälischen Rundschau zu bekommen, hatte sie mir mitgeteilt. Und wer wollte ihr, als Sekretärin die Frau an der wichtigsten Position einer Lokalredaktion, da widersprechen? Gut, ich stellte dann schnell fest, dass es in der Redaktion niemand konnte. Außer mir. Aber das macht nichts: Noch heute bin ich dankbar für das, was ich in Unna gelernt habe. Und das Tippen war nur der Anfang.

Das war 1986. Bis 1993 verschwendete ich meine Jugend – genauer gesagt, die Wochenenden und Semesterferien – im Dienste der Westfälischen Rundschau. In dieser Zeit lernte ich, liebenswürdige Zoten von unterirdischen zu unterscheiden, mich allzu zutraulicher betrunkener Schützen zu erwehren und nicht „bis auf den letzten Platz besetzt“ zu schreiben, denn dann wäre genau der ja noch frei. Ich erlebte den historischen Sieg der Borussia im DFB-Pokalfinale gegen Bremen in „Hoppy’s Treff“ an der Seite von Wirt und BVB-Legende Hoppy Kurrat in Holzwickede – seitdem tippe ich am liebsten 4:1 für die Schwarz-Gelben -, und ich überlebte so manche Bönen-Vertretung.

Claudia mit "Tom Morgan" über den Dächern von Bergisch Gladbach - der Bergisch Gladbacher Meisterdetektiv, dargestellt vom obercoolen Malermeister Patrick Duske in bereits zwei Filmen mit dem Charme besseren Laientheaters. (Fotos: Privat)

Claudia mit „Tom Morgan“ über den Dächern von Bergisch Gladbach – der Bergisch Gladbacher Meisterdetektiv, dargestellt vom obercoolen Malermeister Patrick Duske in bereits zwei Filmen mit dem Charme besseren Laientheaters. (Fotos: Privat)

Doch dann neigte sich mein Studium in Köln dem Ende zu, ich hatte die Stadt mit der eigentlich viel zu großen Kirche am Bahnhof längst liebgewonnen, und dann bot sich im Herbst 1993 die Gelegenheit, zum Kölner Stadt-Anzeiger zu wechseln. Türöffner Nummer eins war die Filmredakteurin Brigitte Desalm, die als Gastdozentin eines meiner Seminare geleitet hatte und mich auf meine vorsichtige Anfrage hin dem damaligen Kölner Lokalchef im alten Kölner Pressehaus an der Breite Straße vorstellte (nein, die Breite Straße wird NICHT gebeugt – Kölner Eigenheit). Türöffner Nummer zwei, und ich denke, der entscheidende, waren wohl meine Arbeitsproben, die ich von der Rundschau mitgebracht hatte.

Tja, und das war’s dann – der Laden ist mich bis heute nicht losgeworden. Von der Kölner Lokalredaktion und der damaligen Wochenendbeilage ging es nach Frechen, Siegburg, ins Vermischte und als stellvertretende Redaktionsleiterin für sieben Jahre nach Bergisch Gladbach. Die gleiche Funktion habe ich nun seit März 2013 am Regiodesk im 1998 bezogenen neuen Pressehaus in Köln-Niehl, dem „Glashaus“, wo wir das Blatt für alle Außenausgaben machen. Dazu gehört auch das Redigieren. Etwa bei Formulierungen wie „bis auf den letzten Platz besetzt“.

Claudia mit Jungfrau Christina aus dem Rösrather Dreigestirn der Gemeinschaft Dörper Einigkeit Forsbach 1948 bei dessen Redaktionsbesuch in Bergisch Gladbach.

Claudia mit Jungfrau Christina aus dem Rösrather Dreigestirn der Gemeinschaft Dörper Einigkeit Forsbach 1948 bei dessen Redaktionsbesuch in Bergisch Gladbach.

Dass ich jetzt schon länger im Rheinland als zuvor in Westfalen lebe, hat allerdings seine Spuren hinterlassen: Jawohl, ich feiere Karneval, kann einschlägiges Liedgut mitsingen, und es macht mir sogar Spaß. Im Gegensatz zu meinem Mann, der in mancher Hinsicht westfälischer ist als ich. Dabei kommt er von hier. Er ist es auch schuld, dass ich in Hennef Wurzeln geschlagen habe, eine halbe Stunde Autofahrt von Köln entfernt. Beim Fußball aber, da sind wir uns einig: Das Herz vom Fußball schlägt im Ruhrgebiet. Nun gut, er ist Schalker.

Aber irgendwas ist ja immer.

Claudia Freytag

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