Aus der Rathaus-Galerie (5): Carlernst Kürtens Brunnen vor dem Tore

Die Rathaus-Galerie ist ein besonderer Ort – so mensch denn von einem Ort sprechen sollte, denn sie ist eine sehr ausgedehnte und zur Versammlung einladende Gesamtveranstaltung. Eigentlich beginnt die Galerie bereits vor dem Rathaus, denn auch die Bildhauerei und ihre konstruktuvistische Schwester gehören zur darstellenden Kunst. Vor dem Rathaus, für jedermensch sichtbar, steht eine Stehle in einem Brunnen und reckt ihre Botschaft in die Höhe. Carlernst Kürten, der gebürtige Waltroper, der aber in Unna wohnend eine geliebt Heimat fand, hat sie erschaffen. Sie gehört zu einem der Höhepunkte des Konstruktivismus weit und breit.

Carlernst Kürten, 1921 in den „Tropen“ des  Reviers (Waltrop, Castrop, Bottrop) geboren, lernte Bildhauerei an den Werkkunstschulen Dortmund und Münster und arbeitete schon 1957 als freischaffender Künstler, sehr fleißig, sehr demütig und stets im Zweifel daran, ob er denn perfekt geschaffen habe, sehr erfolgreich. Das beweisen die zahllosen Stationen, die mit seinen Werken geziert sind, in unserer Stadt (Beispiel Rathaus, Eishalle, PGU usw.) und vielen anderen Städten. Bochum, Dortmund, Düren, Hagen, Hamm, Holzwickede, Kamen, Kiel, Kleve, Lüdenscheid, Mannheim, Opladen, Unna und Wuppertal um nur einige Beispiele zu nennen.

Plastiken, überwiegend Edelstahl, sind in privaten Sammlungen ebenso zu sehen wie in Museen. Carlernst Kürtens künstlerische Streuwirkung ist enorm, seine Ästhetik ist fesselnd und seine Botschaften sind direkt und immer schnell wiederzuerkennen.

So wunderte es nicht, dass der damalige Stadtdirektor Klaus Dunker, seinen Freund bat, sich eigens für den Rathausneubau eine Brunnengestaltung ausdenken möge, was der Künstler gern tat. Während er darüber noch nachdachte, gesellte ich mich damals zu einem Atelierbesuch bei ihm in Alteheides noch älterer Schule an der Hammer Straße. Es gab heißen Tee mit Rum-Kandis, den seine Frau Waldtraud reichte. Und es gab tolle Gespräche rund um Darstellung und ihre Gestaltung. Ein schöner Recherche-Nachmittag, den ich am liebsten nicht so schnell wie mir angeraten erschien, beendet hätte.

Waltraud Kürten überführte nach dem Tod ihren Mannes im Jahre 2000 sein umfangreiches Werk in eine Stiftung. Carlernst Kürtens unbestechlicher Blick auf die Dinge blieb Unna und seinen Menschen erhalten, dem Stadtbild ohnehin, denn sein Brunnen ist die Zierde des ansonsten eher sachlichen Platzes vor dem Rathaus.

 

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