Aus der Rathaus-Galerie (4): Kraftvoller Duktus des Ernst Oldenburg

Wer Unnas Rathaus betritt, der sieht sich alsbald in einer Art Ausstellungs-Rundgang, weil auf jeder Etage und in jedem Flur dem geneigten Besucher, der schauenden Besucherin Kunstwerke ins Auge fallen, die seit vielen Jahren die prosaisch anmutenden Wände verschönern. Zu verdanken ist dies einer früheren Sammelleidenschaft maßgeblicher Kulturpolitiker/innen, der segnenden Aufmerksamkeit des damaligen Stadtdirektors Klaus Dunker und dem scharf gefeilten Geschmack des einstigen Kulturamtsleiters in Unna, Axel Sedlack. Allesamt suchten sie nicht nur “der Stadt Bestes”, sondern auch das Beste, was künstlerisch Schaffende in der Stadt und mit der Stadt verbundene Ausstellungsfähiges kreierten. Natürlich gehören zu den Exponaten auch Werke des großen Ernst Oldenburg, den ich gern den „letzten Bohèmien“ nannte.

Ernst Oldenburg und ich begegneten uns zum ersten Male Anfang der 70-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts (hach wie historisch das klingt – Alter muss ja auch seinen Vorteil haben). Damals stellte mein alter Freund und Kollege Uwe Krist mich vor, artig grüßte ich und nahezu huldvoll erwiderte Ernst, die Kappe im frechen Winkel auf dem Kopf, den silberfarbenen Seidenschal um den Hals geschlungen und für Stunden begann ein munteres Gespräch – oben, auf dem Alten Markt vor dem Hotel „König von Preußen“. In gewisser Ehrfurcht saß ich vor dem kleine, agilen Mann der Otto Dix ebenso wie Max Pechstein, Ernst-Ludwig Kirchner und Karl Hofer kannte, die dessen Talent gerühmt hatten, das ihn schon im zarten Alter von 14 Jahren in die Kunstklasse von Fritz August Pfuhle an der Technischen Hochschule Danzig, seiner Geburtsstadt brachte. Später studierte er noch Architektur und übte den Beruf auch aus.

Oldenburgs Werke gehören in die Rathaus-Galerie, weil Ernst Oldenburg zu Unna gehörte. (Foto: Rudi Bernhardt)

Oldenburgs Werke gehören in die Rathaus-Galerie, weil Ernst Oldenburg zu Unna gehörte. (Foto: Rudi Bernhardt)

Danach liefen wir uns immer wieder über den Weg, denn sein Heim nebst Werkstatt und Atelier lag ja in Kessebüren, wo es immer noch das Ernst Oldenburg-Haus ist, ehemalige Schule und heute Museum einer unerschöpflichen Schaffenszeit, die mehr als 1500 Werke hinterließ, mit Höhepunkten der Malerei ebenso wie des rastlosen Bildhauers Oldenburg, dessen Arbeitsweise mitunter an Schwerstarbeiter auf glühenden Rohstahlbrammen bei Hoesch erinnerte.

Ernst Oldenburg wollte ausdrücken, mit dem,was er tat und wie er es tat – war im Wortsinne Expressionist und er wird zu den letzten großen Vertretern dieser Zeit gezählt. Eine Zeit, in die er 1914 gerade so hinein geboren worden war, die jede Kunstgattung okkupierte und ihr vorübergehend einen sehr typischen Stempel aufdrückte. Er wollte dies und tat dies noch in einer enorm ausdrucksvollen Manier, nachdem ihn 1988 ein schwerer Schlaganfall niedergeworfen hatte. An die Bildhauerei war zwar nicht mehr zu denken, viel zu anstrengend für jemanden, der im Nachgang der Krankheit halbseitig unbeholfen blieb. Aber Ernst Oldenburg hatte ja zwei Hände und die linke tat noch ihren Dienst. Also malte er weiter und das ausdrucksvoller denn je, wie manche seiner Freunde und Kenner seiner Arbeit sagten.

1992 versagte dann der Mensch seinen Dienst, starb Ernst Oldenburg. Er hinterließ ein gewaltiges Oevre, das seine Tochter, Karola Ramas, liebevoll sichtete, verwaltete und ordnete. Sie sorgt auch dafür, dass das Oldenburg-Museum in ihrem und damit seinem Sinne präsent bleibt, in Unna, der Stadt in der der Weltenbummler und Künstler Heimat fand. SO auch in der Rathaus-Galerie wo drei seiner kraftvollen Menschbilder zu sehen sind.

Und ich stehe jeden Morgen auf und blinzele verschlafen auf ein Bild – es ist ein Druck, aber Original: von Ernst Oldenburg, Erinnerung an alte Zeiten und einen wertvollen alten Bekannten.

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