Orden für Heinz Steffen – ein Granitblock aus der Keimzelle Unnas

Ich gebe zu, wenn er anhebt, eine Anekdote in den Gesprächskreis zu streuen, rafft sich noch heute meine gesamte Aufmerksamkeit zusammen und ich beginne lächelnd mit einer Art Ganzkörperaufmerksamkeit. Einerseits reißt mich seine unvergleichliche Art zu erzählen an ihn, andererseits weiß ich alsbald, weil ich ihm nun schon seit gut 30 Jahren gern zuhöre, wie die eine oder andere Geschichte endet und schließlich weckt schnell die Tatsache meine ungeteilte Neugierde, wenn ich feststelle, dass ich diese eine Geschichte tatsächlich noch nicht kenne. Ich setze mich dann so hin, dass ich sowohl jedes Wort verstehe als auch immer wieder mit tiefen Atemzügen den Rauch seiner erlesenen Tabakpfeifen einsaugen kann – ich bin in seiner Nähe leidenschaftlicher Passivraucher. Denn, die Rede ist von Heinz Steffen, von dessen Edel-Qualmerei ich schon vor vielen Jahren behauptete, dass Heinz nicht pafft, sondern die Umgebungsluft aromatisiert.

Heinz Steffen erhielt gestern (10. Juli 2013) aus der Hand von Landrat Michael Makiolla den Verdienstorden am Bande der Bundesrepublik Deutschland – im Spiegelsaal des Gutes Opherdicke, an dessen strahlendem Dasein von heute er selbst gemeinsam mit dem damaligen Oberkreisdirektor Karl-Heinrich Landwehr entscheidend mitgewirkt hatte. Und, was eher mal selten vorkommt – Heinz Steffen war anzusehen, dass Rührung in ihm war, als Michael Makiolla und Unnas Bürgermeister Werner Kolter sehr persönliche Worte für ihn fanden, für den Mann, dessen scharfe Analysen, dessen harte Debattenarbeit, dessen Kampfeslust (vor allem, wenn es ums heimatliche Königsborn ging) in allen Gremien, denen er angehörte, gefürchtet waren. Aber dessen Zuverlässigkeit, wenn er sich einmal für einen seiner Ansicht nach gangbaren Weg entschieden hatte, absolut war.

Er ist Muttermilch Sozialdemokrat und vollblütiger Königsborner. Kommt aus einer Bergbau-Dynastie, deren Name im Stadtteil sofort einen Wohlklang verbreitet. Zwei Männer (Vater und älterer Bruder) ließen ihr Leben unter Tage. Heinz Steffen sah seine Zukunft indes im Bereich des Tageslichts, er besuchte das Pestalozzi-Gymnasium und später das Helmholtz in Dortmund (da waren wir eine kurze Zeit in ein- und demselben Schulgebäude, weil der Altbau an der Münsterstraße auch vom Max-Planck mitgenutzt wurde, bis das ein neues bekam). Studiert hat er in Aachen (gaaaanz viele Anekdoten) wurde Ingenieur und später Pädagoge, legendärer Schulleiter des Kollegs in Werne.

Gerührt dankte Heinz Steffen für die Worte, die er über seine Person und deren Wirken zuvor gehört hatte. Es lauschten Landrat Michael Makiolla und Bürgermeister Werner Kolter (rechts). (Foto: Sebastian Laaser)

Gerührt dankte Heinz Steffen für die Worte, die er über seine Person und deren Wirken zuvor gehört hatte. Es lauschten Landrat Michael Makiolla und Bürgermeister Werner Kolter (rechts). (Foto: Sebastian Laaser)

Seit 1979 ist Heinz Steffen Mitglied des Kreistages, war er dort bis 2008 Fraktionsvorsitzender der SPD. Von 1979 bis 2009 gehörte er der SPD-Fraktion im Rat der Kreisstadt Unna an, die er zehn Jahre lang bis 1994 führte. Seine waffenscheinverdächtigen Formulierungen konnten bisweilen das Gegenüber sprachlos machen, seine entblätternden Argumente manchen, der in den Kreis Unna kam und dachte, diesen Provinzheinis ein Ei ans Schienbein nageln zu können, zum Fluchttier machen. Und seine Vorstellungen, wie sich Stadt und Kreis zu entwicklen hätten, brachten manchen Weggefährten – auch in der eigenen Partei – zur Verzweiflung. Aber eines durfte man ihm nie absprechen: Heinz Steffen gehörte stets zu den lernwilligsten und -fähigsten Menschen, die mir begegneten – auch wenn’s bei dem einen oder anderen Thema manchmal etwas dauerte.

Und so werde ich demnächst wieder liebend gern mit ihm zusammen sitzen, gierig nach dem schnuppern, was er in seinen wertvollen Kolben gestopft hat und zuhören: Vom Segeln, von Reisen durch Europa, von Begegnungen mit Prominenten, denen er gern etwas von ihrer Aura der Allwissenheit nahm. Klar, die Aura dürfen nur zwei um sich verbreiten. Heinz Steffen und noch jemand, den ich zwar gut kenne, aber hier nicht nenne.

Glückauf Heinz!

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