Aus der Rathaus-Galerie (2): Tom Mosley und die Shadow Boxes

Wer Unnas Rathaus betritt, der sieht sich alsbald in einer Art Ausstellungs-Rundgang, weil auf jeder Etage und in jedem Flur dem geneigten Besucher, der schauenden Besucherin Kunstwerke ins Auge fallen, die seit vielen Jahren die prosaisch anmutenden Wände verschönern. Zu verdanken ist dies einer früheren Sammelleidenschaft maßgeblicher Kulturpolitiker/innen, der segnenden Aufmerksamkeit des damaligen Stadtdirektors Klaus Dunker und dem scharf gefeilten Geschmack des einstigen Kulturamtsleiters in Unna, Axel Sedlack. Allesamt suchten sie nicht nur “der Stadt Bestes”, sondern auch das Beste, was künstlerisch Schaffende in der Stadt und mit der Stadt verbundene Ausstellungsfähiges kreierten. Diesmal ist es Tom Mosley, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Tritt man aus dem Treppenaufgang, der vom Eingang A des Rathauses bis in dessen 1. Stockwerk führt, begegnet einem ein bescheidener, quadratischer Kasten, der zurückhaltend an der Wand hängt und anscheinend niemanden so recht auffordert: „Nu schau‘ mich doch mal genauer an!“ Dabei sollte man genau das tun, weil das Quadrat ist eine der „Shadow Boxes“ (Schattenkästen) aus der langen Arbeitsserie des britischen Künstlers Tom Mosley.

Tom Mosley, geboren 1927 in Stoke on Trent auf der Insel, gestorben 2009 in Mönchengladbach, gehörte vor vielen Jahren zu den festen Bestandteilen der Unnaer Kunstszene. Dieter Lohl, der damalige Treibsatz des Kunstvereins Unna, auf dessen Breitenwirkung ich selbst im italienischen Ligurien von Kunstschaffenden aus dem Allgäu bewundernd angesprochen wurde, hatte die Qualitäten des vielsprachigen Engländers aufgespürt und nach Unna geholt. Ins damalige Mekka der kreativen Menschen, die sich mit dem Konstruktivimus auseinandersetzten.

Tom war umwerfend freundlich, umfassend gebildet und unumstößlich mit seiner Arbeitsweise. Geometrie im Dienste eines künstlerisch Schaffenden, da mussten er und seine Arbeiten dem Mathematiklehrer Dieter Lohl ja gefallen. Über Jahre hinweg hielt die Zusammenarbeit, einen Teil dieser Zeit lebte und arbeitete Tom Mosley auch unter uns in unserer Stadt, die ihm „very tiny“ erschien.

Aber ein wenig ruhelos war er schon immer. Schon 1949 war er nach Neuseeland, später nach Australien ausgewandert. Es hielt ihn dort nicht. Tom Mosley durchstreifte Afghanistan, Indien und den Mittleren Osten. Er lebte in Paris und wählte am Ende Deutschland zu seinem bevorzugten Aufenthaltsort – und in Mönchengladbach – auch wegen des begeisternden Fußballs, der dort zelebriert wurde, fand er, dass seine Rastlosigkeit beendet sein müsste.

Seine Shadow Box wirkt in ihrer zurückhaltenden Art nach Aufmerksamkeit zu fordern besonders liebenswert. Sie bleibt da im 1. Stock des Rathauses zu Unna eine hartnäckige Erinnerung an einen Menschen, den es zu uns führte und der einen Teil seines Lebenswerkes in der Überzeugungsarbeit sah, dass menschlicher Hände Duktus aus Geometrie kunstvolle Gestaltung formen kann.

Shadow Box A von Tom Mosley. Zu sehen im 1. STock des Rathauses. (Foto: Rudi Bernhardt)

Shadow Box A von Tom Mosley. Zu sehen im 1. Stock des Rathauses. (Foto: Rudi Bernhardt)

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