Aus der Rathaus-Galerie: Kathrine Sombolds Portraits mit dem Lebenszweck des Portraitierten

Wer Unnas Rathaus betritt, der sieht sich alsbald in einer Art Ausstellungs-Rundgang, weil auf jeder Etage und in jedem Flur dem geneigten Besucher, der schauenden Besucherin Kunstwerke ins Auge fallen, die seit vielen Jahren die prosaisch anmutenden Wände verschönern. Zu verdanken ist dies einer früheren Sammelleidenschaft maßgeblicher Kulturpolitiker/innen, der segnenden Aufmerksamkeit des damaligen Stadtdirektors Klaus Dunker und dem scharf gefeilten Geschmack des einstigen Kulturamtsleiters in Unna, Axel Sedlack. Allesamt suchten sie nicht nur „der Stadt Bestes“, sondern auch das Beste, was künstlerisch Schaffende in der Stadt und mit der Stadt verbundene Ausstellungsfähiges kreierten. In einer kleinen Serie möchten wir den Unnaern und dazugehörigen -innen einmal versuchen, Werke und Genres und deren Schöpfer und – innen und wiederum deren Geschichte und Geschichten näher zu bringen.

Kathrine Sombold (rechts) mit Sohn Amir und Tochter Hanna.

Kathrine Sombold (rechts) mit Sohn Amir und Tochter Hanna. (Foto: Privat)

Im ersten Stockwerk, rechts neben dem Sitzungsraum 105, sieht der oder die Vorübergehende eine Fotografienserie in klassischem Schwarz-Weiß. Kathrine Sombold gestaltete diese Kompositionen, die jeweils das Portrait eines Menschen in für ihn einzigartiger Wesensart zeigen und daneben den Gegenstand oder die Menschen, denen sie ihre berufliche Leidenschaft widmen. Da ist Domenico Peloso zu sehen, natürlich mit einer Pasta im Duett, der unvergessene Dr. Pels und neben ihm ein Babyfuß, der das Leben symbolisiert, „Travados“-Künstler und eine Gasenase (Pappnase) für die fröhliche Komik und am Ende ein grübelnder Klaus Dunker neben einem Eselchen – Klaus Dunker denkt somit ständig an seine Stadt. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, dann entstanden diese Fotografien zu Kathrines Studienabschluss und krönten damals ihre Ausbildung – quasi summa cum laude der Fotografie.

Mutter Rosemarie und Vater Peter, die auch heute noch das „Ovator“-Geschäft an der Bahnhofstraße betreiben, waren seinerzeit mächtig stolz, aber das waren sie schon immer auf ihre Kinder, denn auch Bruder Matthias (von seinen Freunden gelegentlich Öppi genannt) konnte sich der Kunst seiner Schwester  nicht entziehen.

"Travados-Komik und Klaus Dunkers Grübeln über Unna - Kathrine Sombold skizzierte treffend. (Fotos. Rudi Bernhardt)

„Travados“-Komik und Klaus Dunkers Grübeln über Unna – Kathrine Sombold skizzierte treffend. (Fotos: Rudi Bernhardt)

Kathrine lebt schon lange nicht mehr in unserer Stadt, sondern in Ägypten, wo sie mit ihrem Mann und zwei Kindern, die inzwischen schon ihre lichte Höhe erreicht haben – und das heißt was, denn Kathrine war einst eine der besten deutschen Basketballspielerinnen – bisher alle aufregenden Entwicklungen der vergangenen Jahre erfolgreich abwetterte.

Auch jetzt sieht sie die Wellen der Entwicklung in Ägypten zwar sehr genau und sehr bewusst, diskutiert sie auch mit Freunden, wagt aber noch keine Vorhersage, welches Ende die neuerlichen Umwälzungen haben werden. „Da sind auch hier am Ort die Einschätzungen zu unterschiedlich“, sagt sie. „Schließlich hat zur Zeit das Militär die Fäden in der Hand, wir müssen abwarten, mit welchen Köpfen und damit verbundenen Strömungen es weiter gehen wird!“

In dem südlichen Vorort, in den sie mit ihrer Familie lebt, stellt sich die augenblickliche Situation recht entspannt dar. Die Sombolds sind weit weg vom zentralen Geschehen. Heute beginne der Ramadan (9. Juli bis 7. August 2013), und während des Fastenmonats werde es erfahrungsgemäß erkennbar ruhiger.

Die Fotografie beschäftigt Kathrine Sombold – wie sie erzählt – ganz heftig, vor allem dann, wenn die Schulen wieder beginnen. Dann hat sie alle Hände voll zu tun, alle Aufträge abzuarbeiten. Dann bleiben ihre rein künstlerisch-kreative Ambitionen ein wenig auf der Strecke.

Doch sie ist mit dieser ihrer unverwechselbaren Sichtweise weltweit erfolgreich und gehört mit zu den Menschen, die zwar nicht aus dem Nahen Osten stammen, aber zu einer der besten Botschafterinnen der traditionsbeladenen Weltregion wurden, weil sie dieser spürbar zugetan sind.

Kathrine Sombolds Fotografien im Unnaer Rathaus zeugen schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt von ihrem außerordentlichen Können. Eine der zahlreichen Frauen, auf die Unna zu Recht stolz sein sollte.

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