Casey Jones hat seine Fans auch noch in Spanien

Ich schrieb im vergangenen Jahr für das Kultur-Blog meines Freundes Bernd Berke eine Story. Sie handelte von Casey Jones, bürgerlicher Name Brian Casser, dessen Hit „Don’t Ha Ha“ uns in unserer Jugend elektrisierte und den ich lange nicht in Unna gesehen hatte, der aber, wie mir damals berichtet wurde, noch am Leben sei und es ihm gut ergehe. Nun, der Reihe nach. Zunächst hier, die Geschichte aus dem vergangenen Jahr:

Kleiner Mann auf großem Rad

Es kam mir dieser Tage unversehens in den Sinn, weil ein Freund seinen Namen erwähnte: „Du hast ihn schon lange nicht mehr gesehen, lebt er eigentlich noch?“ Also begann ich herumzufragen, telefonierte, wenn ich Zeit hatte und versuchte, bei Bekannten und Freunden Näheres über seinen Verbleib zu erfahren.

Was ich da erfuhr, war wirklich sehr erfreulich. Erstens, er ist noch am Leben, zweitens, er hält mit Hilfe fürsorglicher Umgebung die Kehle trocken, was ihm – wie man hört – sehr gut tut und drittens ist er mit inzwischen 78 Jahren natürlich nicht mehr gar so mobil, so dass ein Umzug in einen anderen Stadtteil schon mal dafür sorgt, dass er frühere Plätze etwas vernachlässigt. „Schön“, freue ich mich. Da hat etwas, da hat jemand nach wie vor Bestand.

Denn wir liefen uns ständig in den vergangenen Jahrzehnten über den Weg. Mal saß er bei Großveranstaltungen auf dem Gepäckträger eines Fahrrades, dessen Pedale von einem stadtbekannten Juristen ehrgeizig getreten wurden, so dass das Fahrzeug über die Strecke eines Jux-Rennens bewegt wurde, mal tapste er sichtbar unsicher (weil vermutlich weinselig) durch die Fußgängerzone, mal radelte er auf einem viel zu großen Rad durch die Straßen und kaufte ein, was er so benötigte, mal saß er traumverloren auf einer Bank, blinzelte in die Sonne und hing Erinnerungen nach.

Don't Ha Ha Casey Jones

Casey Jones und die Governors, Töne aus der frühen Zeit.

Ach ja, ich sollte noch erwähnen, wer das ist, dessen kleiner Körper – so um die 1,65 Meter hoch – mir seit Jahrzehnten stets auffällt, wer sich so bunt bekleidet, dass er gesehen werden muss und wessen vorwitzige Augen unter dem Schirm seines grellen Basecaps hervor blinzeln. Die Rede ist von Brian Casser, der 1936 in Liverpool zur Welt kam, der eine kurze Zeit aus seinem zerbrechlichen Körper derart viel Musik herausholte, dass er und seine Band fast am Weltruhm kratzten, dessen unterschiedliche Formationen auch schon mal Eric Clapton beherbergten, der eine Zeitlang in der „Maigret“-Serie nahe am TV-Star war. Brian Casser, das ist der bürgerliche Name von Casey Jones, „The Governors“ nannte sich die Band und „Don’t Ha Ha“ war der bekannteste Hit der Truppe, die zu Zeiten ihres Glanzes die „Beatles“ leichter Hand überglänzte, was auch nicht schwierig war, weil die “Beatles” ihren Glanz noch vor sich hatten.

Wie gesagt, die Zeit währte nur kurz, der kleine Casey lebte groß und intensiv, genoss alles, was er als Genuss empfand und wurde immer mal wieder vom trunkenen Kopf auf trockene Füße gestellt. Irgendwann landete er in Hessen, später folgte er einem Freund und Manager nach Unna und mengte sich ins Stadtbild ein. Kaum jemand erkannte ihn auf der Straße, kaum jemand erinnerte sich, dass das Männlein auf dem großen Fahrrad einmal ein ganz Großer des Beat war. Nur eine fröhlich Clique um den stadtbekannten Juristen, der selbst auch schon ewige Zeiten ein stadtbekannter Musiker ist, gab Casey Jones (es ist übrigens ganz bewusst der Name der Lokomotivführer-Legende aus nordamerikanischen Westernzeiten) gebührende Aufmerksamkeit. Weil sie alle zu würdigen wussten, wer er ist und was er war gab es auch niemanden, der sich über ihn lustig machte, lieber waren sie allesamt miteinander lustig.

Brian „Casey“ Casser wird hoffentlich – sobald es wieder warm wird – in der Stadt zu sehen sein. Ich tippe mal, dass er sein Fahrrad nicht mehr zu ausgedehnten Ausflügen nutzen, lieber zu Fuß gehen wird. Aber farbwechselnd gekleidet wird er sein, wenn er mit greller Kappe auf dem schütter behaarten Kopf in die Sonne blinzelt und der alten Tage gedenkt.

zuerst erschienen in: Revierpassagen

Heute fand ich in meiner Mail-Post eine Nachricht von Bernd Berke, der mir eine Anfrage übermittelte. Von Dorita Bendlin, die seit 14 Jahren in Spanien lebt und einst Casey Jones und dessen verstorbenen Manager in Mülheim/Ruhr beherbergte und alle drei Freundschaft miteinander schlossen. Sie sei seit geraumer Zeit auf der Fahndung, habe nun, nach der Lektüre der „Revierpassagen“ Hoffnung, wieder mit dem Freund in Kontakt treten zu können.

Nun, ich habe seine Adresse mit Hilfe lieber Freunde eruiert und der Wahlspanierin zugesandt. Und nun hoffe ich für sie, dass alsbald wieder ein ständiger Kontakt zwischen den beiden entsteht, wäre doch schön, nicht wahr.

7 comments for “Casey Jones hat seine Fans auch noch in Spanien

  1. Ottilie PHILIPP
    16. Januar 2016 at 13:04

    Guten Tag!
    Casey Jones hat mit seiner Band im Jahr 1967 ein Konzert im Kammersaal Graz (Steiermark / Österreich) gegeben. Mein Mann ist seit den 60er-Jahren Fotograf und hat dieses Konzert (professionell) fotografiert. Es handelt sich um Negativa in Schwarzweiss (ca. 50 Aufnahmen mit Details und Übersichten). Als ich bei einer Archiv-Recherche auf diese Filme stieß, habe ich „Casey Jones“ gegoogelt und bin auf diese Seite gestoßen. Da auch ich am 21. März geboren bin, ist mir sofort aufgefallen, dass Casey Jones in 2 Monaten seinen 80. Geburtstag feiern wird und es irgend jemanden geben könnte, der an den Aufnahmen Interesse hat und sie kaufen möchte. Mit lieben Grüßen Otti Philipp

  2. 6. November 2014 at 21:33

    Casey Jones lebte auch eine Zeit in Gießen schon fast 20 Jahre her, würden gerne auch wieder Kontakt zu ihm haben, Letzter uns bekannter Aufenthaltsort war Reiskirchen – Saasen Kreis Gießen.

    • Udo Brinkschulte
      10. März 2016 at 21:40

      Ich weis nur das Casey Jones mit seiner Bekannten einen Schrebergarten hat in Unna-Massen Virchowstraße hat. Zumindest 2015 hab ich Ihn da noch gesehen.. Die Gartenanlage heißt ‚Zum Vier Eck“

  3. Simone Rezik
    31. Dezember 2013 at 11:40

    Hallo….ich suche Informationen über den Verbleib von Peter Richards, den damaligen Schlagzeuger der Band in den 1960igern.
    Lebt er noch und wenn wo? Seine Tochter ist eine Freundin und sucht nähere Informationen. Vielleicht hat Herr Jones noch Kontaktdaten, die aktuell sind. Wir würden uns sehr über eine Antwort freuen.

    • 7. Januar 2014 at 00:04

      Hallo, Frau Rezik. Ich werde versuchen, etwas über Peter Richards Verbleib zu erfahren, weiß aber nicht, ob ich Erfolg haben werde. Aber der Versuch wird es wert sein. Ich melde mich. LG, Rudi Bernhardt.

    • 30. Januar 2014 at 16:35

      Nur mal zwischendurch, dass Sie nicht glauben, ich sei untätig. Kann aber bisher keine konkreten Erfolge der Recherche melden. Bleibe aber dran, mit Casey hatte ich keinen Kontakt, versuche das aber. LG, Rudi Bernhardt.

      • Simone Rezik
        31. Januar 2014 at 09:30

        das ist sehr nett von Ihnen. Ich war bislang auch nicht erfolgreich. Aber auch ich suche weiter, da meine Bekannte Ihren Halbbruder sucht.

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