Von Ärzten, Politikern, Brokern und Prälaten

Ich werde immer nachdenklicher, das Wetter schlägt mir aufs Gemüt, der unmittelbar bevorstehende Befall von Körperteilen mit Frostbeulen, das bisweilen antarktische soziale Klima – nicht nur bei uns, da geht es ja noch so einigermaßen – und die zunehmende Erkenntnis, das Vernunftsteuerung bei einigen Handlungsträgerinnen und -trägern doch erkennbar unterbelichtet ist.

Beispiel Berlin: Da lassen Politiker und ihr dazugehörigen -innen stolz Brust und Keule (ach nee, das war was anderes) – also nur Brust – schwellen, weil sie auf den Weg gebracht haben, Ärztinnen und Ärzten gesetzlich auf die Finger zu klopfen, falls die sich als bestechlich herausstellen. Nicht etwa, dass ich gegen solche Gesetzmäßigkeiten wäre, aber konsequent ist meiner Ansicht nach was anderes. Dieselben Politiker und dazugehörige -innen stimmten unlängst bei der Frage, ob Politikern und dazugehörigen -innen gesetzlich auf die Finger geklopft werden solle, falls sie mal bestechlich würden und dessen überführt, mehrheitlich mit einem entschiedenen „Nein“. Wollt ihr es genau wissen: CDU: 230 Nein; FDP: 89 Nein; LINKE: 65 Enthaltung (verstehe ich überhaupt nicht); SPD: 137 Ja; Grüne: 64 Ja. Also, alles Regierungskoalitionäre vertritt die Ansicht, dass Politiker und dazugehörige -innen nicht bestraft werden sollten, wenn sie sich nur sich selbst und nicht dem Volks verpflichtet fühlen und sich korrrumpieren lassen. Seltsam, was unterscheidet sie nur von der Ärzteschaft.

Beispiel Dublin: Da wurden offenbar intime Gespräche zwischen soliden und seriösen Bankern aufgenommen und unversehens muss man sich wundern, in welch unflätiger Manier die gelegentlich miteinander kommunizieren. Von „Scheißdeutschen“ (ja, ich schreibe das Unwort aus) war die Rede, und – was noch schlimmer ist – von doofen Deutschen, die ihr Geld nach Irland transportierten, während die irischen Banker doch schon lange wussten, dass sie kurz vor der Pleite standen. Glatt zum totlachen. Aber auch über ihren eigene Staat lachten sich die soliden und seriösen Banker kaputt, weil der ihrer kurz vor der Pleite stehenden Bank Geld nachschob. „Irgendwann, wenn wir wieder Geld haben, kriegt der Staat (also die Allgemeinheit) sein/ihr Geld zurück“, versicherten sie todernst. Und dann kam der Gag zum ausschütten: „Also nie!“ Ja wer glaubte denn zuvor, solide und seriöse Banker könnten sich ausschließlich benehmen, die waren und sind genau so rüpelig wie jeder andere mit ausreichender Bildungsferne, nur tragen sie weiße Halskrausen mit Schlips drumrum.

Beispiel Rom: Drei Festnahmen in der ewigen Stadt, drei Herren, die sich in vatikanischen Kreisen bewegen. Einer ist hoher Geistlicher (Prälat), einer Broker (das sind Leute, die für andere mit börsennotierten Papieren handeln und für sich und manchmal auch die anderen ganz viel Geld verdienen) und der dritte ist ein ganz geheimer Geheimdienstmann. Sie sollen mitgemischt haben, als die Vatikanbank durch intensive Wäsche Geld wieder zum unverdächtigen Zahlungsmittel gemacht hat. Das – so der Verdacht – machte sie schon recht lange, so dass unser Ratzinger sich als Papst schon mal deftig unbeliebt machte, weil er Untersuchungen gegen die heilige Wäscherei angestrengt hatte. Es wird ja immer schlimmer, weder hohen katholischen Geistlichen, noch soliden seriösen Brokern noch geheimen Geheimdienstlern ist heutzutage noch unbedint und ohne Einschränkung zu trauen. BadMan in der BadBank.

Und noch mal Berlin: Mietpreisbremse, eigentlich eine geile Idee. Steht als Herzenswunsch im Wahlprogramm der Bundes-CDU. Allerdings wurde so was ähnliches nachtsitzend von der Bundestagsfraktion der vereinigten Unionen strikt abgelehnt – natürlich mit den Stimmen der Freien Demokraten und den dazugehörigen -innen. Begründung: Ja, die VDU fordert in ihrem Wahlprogramm ausdrücklich den notwenigen Tritt auf eine Mietpreisbremse überall da, wo die Mietzinsen explodieren, sie wird auch weiter dafür kämpfen. Aber die Freien Demokraten und ihre dazugehörigen -innen seien ja noch nicht so ganz von der Vernunft dieses Schrittes überzeugt, schließlich sei das eine Behinderung von freier Mietzins-Schussfahrt für freie Eigentümer. Und da sich so eine Koalition – festgeschmiedet wir sie ist – nicht auseinander dividieren lässt (oder heißt das -deklinieren, oder -dinieren – Fragen über Fragen) hat die CDU-Fraktion flugs gegen den Inhalt des eigenen Partei-Wahlprogrammes gestimmt. Nun finde ich beim besten Willen nicht diesen Zipfel Logik, der mir das eingänglich macht, aber wahrscheinlich mangelt es mir an Um- und Weitsicht. Au Weiha.

1 comment for “Von Ärzten, Politikern, Brokern und Prälaten

  1. Heike Gutzmerow
    28. Juni 2013 at 12:44

    Bei solchen Beispielen würde ich gern nach dem Pippi-Langstrumpf-System leben – ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt. In meiner Welt würdest Du diese Dinge nicht beschreiben können. Vielleicht gäbe es dann andere Dinge – aber darüber könnten wir dann streiten.

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