19 Jahre „The Schangels & Schanglettes“: Der Weg ohne nahes Ende

Einen ihrer größten Auftritte hatten sie bereits im Gründungsjahr 1994: Als unser heutiger Bürgermeister Werner Kolter seine Gattin, Simone Melenk ehelichte rockte eine wilde Truppe das Riverboat, als es aus dem Duisburger Hafen auslief und begann, durch das Revier zu schippern derart, dass Kenner der Bewegung auf dem Wasser fürchteten, die Reise könnte tragisch enden. Die damals noch relativ unbekannte Band mit dem eingängigen Namen „The Schangels & Schanglettes“ dröhnte eine hammermäßige Mucke durch jeden Streifen Flusslauf, den wir nach der Hochzeit durchmaßen und kündeten vom unmittelbar bevorstehenden unaufhaltsamen Aufstieg der bisweilen sogar harmonierenden Truppe – dann und wann klang es aber auch nach unmittelbar bevorstehendem Weltuntergang. Der aber sollte nach Maja-Kalender erst im Dezember 2012 kommen und bis dahin stiegen die „Schangels“ zur ultimativen regional-überregionalen Kultband auf, harmonierten von Jahr zu Jahr besser und ließen alsbald den Ruf vor sich her wehen, auf jeder Bühne der Umgebung Schwerte/Dortmund/Weltweit Töne zu finden, die von denen da unten begeistert erhört wurden.

Die geneigte Leserin, der neugierige Leser, sie werden sich allerlei fragen. Was dieses „Schangel“ wohl bedeuten könnte, was unseren am Bestgeschmack orientierten Bürgermeister dazu verleitet haben könnte, seiner Hochzeitsfeier derlei Geräuschkulisse zu spendieren, was mich verleitet, über den so unrunden Geburtstag der ewigen „Schangels“ hier zu texten?

Nun, fangen wir mit der zentralen, der ersten Frage an. „Schangels“, das lässt sich von schangelig ableiten, einem Begriff, von dem Uneingeweihte annehmen könnten, er stamme aus dem Rottwelschen, einer Sprache fahrender Leute, die im Schwerter Ruhrtal manchmal noch zu vernehmen ist. Ich versteige mich nicht zu solchen Mutmaßungen. Schangelig nähert sich dem Inhalt des Begriffes „angeranzt“, ist für fast alles zu gebrauchen, was nicht völlig perfekt erscheint, dafür aber mächtig authentisch daher kommt.

Werner Kolter ließ sie flotte Liedchen zur Hochzeitsfeier spielen, weil er mit seiner Simone auch einen Schwager im Paket erhalten hatte, nämlich jenen Bodo Melenk, der damals ein Gründervater der „Schangels“ war und deren Weg bis heute unerschrocken begleitete und sich auch heute noch an jedem schangeligen Erfolg erfreut, obwohl er schon lange ein recht erfolgreicher Unternehmer in Sachen Bühne, Beschallung und Akustik ist.

Und ich schreibe darüber, weil die „Schangels“ im nächsten Jahr 20 Jahre alt werden und ich dazu neige, jede Gelegenheit zu nutzen, Jubiläen herbei zu reden, weil das so schön ist – also die Story über etwas zu verfassen, das kurz von dem 20-Jährigen steht, damit ich beim 20-Jährigen im nächsten Jahr wieder was zu texten habe. Und weil ich Bodo seit dieser geräuscharmen Hochzeitsfete mit Freude freundschaftlich verbunden bin.

Die Schangels" ganz psychedelisch, manchmal spielen die auch so.

Die „Schangels“ ganz psychedelisch, manchmal spielen die auch so.

Heute bestehen die „Schangels“, deren ruhmreicher Weg vom Rhein-Schiff beinahe nahtlos in die Nachbarschaft der Hall of Fame des Rock führte aus „Ai. Point Schänder“, der seit Ende der 1970-er Jahre Hausverbot in der Westfalenhalle hatte, weil er mit dem Bandkollegen „Ralfing Ralf Ralfsen“ des Catering-Buffet für Ted Herold geschändet hatte, „Kiki de Paris“, die die Truppe einst vor dem Hungertod in einem Verkehrskreisel am Bois de Boulogne rettete, „B.M.D. Tonator“, den die Ur-„Schangels“ in dessen Leerdamer Import-Export-Laden aufgabelten, „Loreetta del Mar“, die dem vor sich hin schangelnden Trupp auffiel, weil sie so anmutig am spanischen Sandstrand Treibholz sammelte und eben jenem „Ralfing Ralf Ralfsen“, der ja auch nicht mehr in der Westfalenhalle auftreten darf, weil er sich mit „Ai. Point Schänder“ am Buffet, das für Ted Herold bestimmt war, vergangen hatte.

Der Kitt des Zusammenhalt, das einzig wahre Genie im Hintergrund, war und ist Bodo Melenk, dessen groovige Bass-Phrasen mir noch heute nach fast 20 Jahren in den Ohren klingen – oder ist das Tinnitus? Bei ihm kann man sie und ihre unvergleichliche Musik auch buchen oder über die schangeligste aller Websites: http://www.schangels.de/

Ich mache an dieser Stelle vorerst einmal Schluss, überlege aber, was ich morgen noch über die Band, die vielleicht noch von den „Travellin‘ Willburies“ von der Piste geschoben würde, texten könnte. Bin mal gespannt.

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