Wo wir überall „Neuland“ betreten

„Neuland“ – das ist ja meine neue Reiz-Vokabel. „Neuland“, das betrete ich immer gern, wenn ich von Tiefland zum Hochland aufsteige. Zwischen beiden liegt für mich „Neuland“, für die eine Politikerin und den anderen Politiker allerdings könnte es auch „Neverland“ heißen. Weil das Erkunden des „Neulandes“ für sie anscheinend eine „never ending story“ bleiben wird.

„Neuland“, das kann aber auch ein Land sein, unter dessen Wirtschaft wir in der EU Ausschreibungen zu veröffentlichen haben, damit dort einem Wirtschaftszweig ja nicht entgeht, dass in Unna, Lünen oder Fröndenberg mutmaßlicherweise Geld verdient werden kann. „Neuland“ betreten diese also sehr gern, obwohl sie es weder erkunden noch kennen lernen wollen. Die lächerlich anmutenden Untergrenzen für Projekte, die europaweit ausgeschrieben werden müssen und der erforderliche Bürokratismus, der dazu gehört, kann dann und wann schon einmal verursachen, dass Kinder nicht rechtzeitig an ihre Schulbücher gelangen (geschehen in Lünen) oder Firmen vor Ort ein Auftrag durch die Lappen geht, den sie zügiger und frei von jeglicher Anreise hätten am Heimatort erledigen können. Schlau finde ich das alles nicht, aber es dient ja der Freiheit der Wirtschaft. Jawoll!

„Neuland“, das betritt ein gewisser Thilo Sarrazin gern. Um es deutlicher zu machen: Jedesmal, wenn er Gefahr läuft, dass man seinen Namen endgültig vergessen haben könnte, sagt er irgend etwas über irgend etwas, wobei er bei der Auswahl kaum wählerisch erscheint, was er ja bei eigener Nabelschau nicht sein muss, weil er ja von allem etwas zu verstehen glaubt. Nun gibt er schonungslos gegen sich selbst und schonungslos gegen seine Leser, Hörer oder sonstwie Wahrnehmer seine Meinung zu den Demonstrationen in der Türkei preis. Liest man sie zu Ende, weiß man zwar nicht so recht, was er denn eigentlich meint, aber auch das ist gleichgültig, Hauptsache jedes Medium hat am Ende berichtet, dass Thilo eine Meinung hatte. Meine Meinung: Berlin ist fast pleite, er war da mal Finanzsenator.

Wir hätten da noch ein „Neuland“. Die UNESCO hat in Kassel den „Bergpark Wilhelmshöhe“ – nein, das ist nicht unsere, Kassel hat auch eine – ins Weltkulturerbe aufgenommen, sozusagen als „Neuland“ geadelt. Aber auch den einen oder anderen Vulkan. Nun bin ich ja mal gespannt. Wesentliche Änderungen am „Bergpark“ dürfen nun nicht mehr vorgenommen werden, beispielsweise den „Herkules“ abmontieren, der über dem Ganzen tront. Sonst ginge den Kasselern der Eintrag ins Weltkulturerbe verloren. Was geschieht denn, wenn der Ätna ausbricht, was ja häufiger geschieht, und er dabei sein Gesicht entscheidend verändert? Wird er dann auch wohl wieder ausgetragen? Nein, keine Sorge, dann wird er nur noch wertvoller, denn er ist als Beispiel dafür aufgenommen worden, wie erdgeschichtliche Prozesse vulkanische Landschaften verändern können.

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