Ein paar Gründe für meine ewig schlecht gelaunte Miene

Ich kübel ja gern mal meine Häme wahllos durch die Gegend und es ist mir recht gleichgültig, wer dabei getroffen wird. Nach Parteizugehörigkeit gesteuerte Vorsicht entgleitet mir dann und wann völlig, was manches Mal meine Gesprächspartner irritiert. Aber ich habe nun mal, wie an meiner Physiognomie unschwer ablesbar ist, überwiegend miese Laune und das hat seine Gründe, Gründe die täglich variieren, Gründe, die mir by the way in den Sinn kommen und Gründe, von denen ich weiß, dass ich sie niemals ins Vergessen verbuddeln könnte, weil ihre Ursprünge ja samt und sonders von Menschen erdacht wurden, die von sich hartnäckig annehmen, viel klüger zu sein als solche Durchschnittszeitgenossen wie ich.Beispiel Turboabitur: Da riefen Vertreter der allwissenden, allgewaltigen und alldurchdenkenden Wirtschaftsverbände dereinst nach schnellerer, besserer und nutzbringenderer Ausbildung junger Menschen, dass sie schneller von den je angehörigen Unternehmen eingestellt und ihre Kenntnisse dem Bruttosozialprodukt zur Verfügung gestellt werden können. Artig folgten Teile der Kultusministerschaft, noch artiger folgte die Landesregierung NRW – damals noch aus CDU und FDP bestehend – dem Ruf der Bildungs fernen Wirtschaft und führten das Turboabi ein. 12 Jahre heftig pauken, wenig verinnerlicht lernen, aber flink der allwissenden Wirtschaft zur Verfügung stehen. An das Wohlergehen der Wirtschaft dachte jeder, an das der Kinder nur wenige. Das diese auch mal in eine Pubertät geraten könnten, das es unter ihnen – wir nannten das früher Spätstarter – sein könnten, dass Lehrpläne und mehr mühsam und bis heute nicht passgenau umgebaut werden müssten, wurde bei dem Wettbewerbsfähigkeitgedröhne weitgehend vernachlässigt. Noch mehr aber wurde vernachlässigt, dass Kinder und Heranwachsende ja auch so etwas wie Spaß haben mögen in einer Zeit, die noch einigermaßen unbeschwert mit ihnen umgeht. Tatsache aber ist, dass immer weniger das Erlernen eine Instrumentes zum Ende bringen, weil ihnen die Zeit entgleitet. Dass Sportvereine über Nachwuchsmangel klagen, weil nicht mehr genügend davon nachwächst und die verbliebenen durch Zeitmangel durch schulische Beanspruchung auch noch weg bleiben. Dass ihnen zudem zunehmend Trainingszeiten fehlen, weil die dazu notwendigen Einrichtungen (Sporthallen etc.) in den Nachmittagsstunden für den Schulbetrieb genutzt werden müssen. Und, dass es den Kindern schlicht an fröhlichen Atempausen mangelt, in denen sie miteinander kommunizieren, miteinander spielen oder einfach vor sich hin träumen können, was ja auch vorkommen dürfen sollte. Gut, inzwischen ist wieder zugelassen, dass Schulen wählen dürfen, welche Geschwindigkeit sie bevorzugen. Aber unter dem Strich bleibt: Wir leisten es uns herumzuexperimentieren – und das mit Kindern – haben aber seit ich denken kann keinen Schneid, mal an einer veritablen und fürs gesamte System durchdachten zu arbeiten. Das ist in seinen Grundzügen stets so schön schichtenorientiert erhalten geblieben wie es von inzwischen Jahrhunderten entworfen worden war. (Ich weiß, ist zu holzschnittartig, aber ich habe nun mal schlechte Laune.)

Beispiel Parteiprogramminhalte: Ich könnte an dieser Stelle ja mal echt gemein sein – und kein Wort schreiben. Bin aber noch gemeiner – und schreibe was dazu. Da bemüht die ARD einen Fachmann, Richard Hilmer, Geschäftsführer des Berliner Meinungsforschungsinstitutes Infratest dimap, dessen Institut seit 1997  Zahlen und Analysen für die ARD-Wahlberichterstattung liefert. Hilmer hat seine stille Freude daran, auch „öffentlich-rechtlicher Volksvermesser“ genannt zu werden. Und was stellt der fest? Die CDU braucht kein Programm, weil sie ja Mutti Merkel hat – und die reiche, dass eine erfolgreiche Wiederwahl unmittelbar bevor stünde. Das aber hat wohl Folgen bei den anderen Parteien. Bei der SPD, die zwar ein Programm hat, fahndet mensch vergebens nach ausreichend wurzelbehandelnden Aussagen für die Zukunftssicherung unseres Gesamtsystem, bei den Grünen schimmert kaum mehr durch, wozu sie sich mal gründeten, bei der FDP schimmert genau d a s immer mehr durch, bei den LINKEN mangelt es an dem kleinsten Schimmer, DIE PIRATEN handeln offenbar nach dem Motto „aus dem Chaos in binäre Ordnung“. Und dann hat sich noch eine Partei gegründet, deren Namen ich gleich wieder vergessen habe, die ist praktischerweise gegen etwas, den EURO nämlich. Das bringt Stimmung, und die bringt Stimmen. Ich halte es mit Marc-Uwe Kling: Die Lyder haben das Geld erfunden, warum eigentlich so wenig? Soll ich auch eine Partei gründen lassen? EVP=Eurovermehrungspartei oder so. Die bräuchte auch kein Programm, weil ihre Taufname bereits eines darstellen würde. (Ich weiß, zu holzschnittartig, aber ich habe immer noch schlechte Laune.)

Beipiel Geheimdiensthacking: Edward Snowden heißt der Mann, nach dessen Enthüllungen immer mehr auftickt, was in der Vergangenheit Geheimdienste trieben und wie intensiv sie das Internet und seine Datenautobahnen absaugten und dass es nicht nur die USA waren, sondern auch die Briten und die … Wissen wir zwar noch nicht genau, aber denken können wir es uns. Und, was wir uns noch dachten und weiterhin denken können: Das alles wird auch in Zukunft geschehen, das alles wird auch in Zukunft mit Hilfe und mit Nutznießung einer allgewaltigen Wirtschaft geschehen und ungeachtet dessen werden wir weiterhin frohgemut dieses internete „Neuland“ (Vokabel, die unser aller Kanzlerin gern nutzt) betreten und unsere Datenspuren dort hinterlassen. Warum? Ganz einfach, ich habe das nun 20 Jahre lang getan und wundere mich nur über eines: Dass es so lange dauerte bis öffentlich wurde, dass die geheimsten Geheimdienste aller Herren Länder das Net dazu nutzen, es auszuspionieren. Sich heute darüber aufzuregen, dass die so frech sein konnten, ist echt Realsatire, und sie verbessert ganz unversehens meine Laune.

 

 

 

 

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