Von betretenem Neuland und monetären Altlasten

Ich bekäme ja Schüttelfrost, hätte ich nicht mein spezielles Fell. Das Schütteln ereilt mich aber weniger, weil gerade die Temperaturen nicht die Werte des Vortages erreichen, sondern angelegen der Tatsache, dass manche Politiker und -innen uns für so blöde halten, dass sie sich nicht einmalig ausreichend bemühen, zu relativ einleuchtenden Begründungen zu finden, warum sie von alledem eigentlich gar nichts wissen konnten. Beispiele gefällig?

Berlin: Kabinettsmutti Merkel hatte ja ordentlich Plauderlaune mit Barrak Obama und mochte ihm seine Charmelaune wohl nicht verderben, weil der sich auch nicht sonderlich abmühte, die elektronischen Stetoskope seiner geheimen Geheimdienste ausreichend zu erklären oder gar deren Schärfe eine bisschen abzustumpfen. Und so trällerte Mutti vergnügt und mäßig angestrengt etwas von „Neuland“, das mensch beträte, wenn er sich internetig auf den Datenautobahnen weltweit bewegt. Jau, kürzlich feierte dieses „Neuland“ 20. Geburtstag, und nun erst trampelt Mutti auf diesem herum und wagt kaum die nächsten Schritte, weil das „Neuland“ für sie kein Festland wird. Sie simst sich wie jedermensch weiß durch die Weltgeschichte, kann ihr Handy kaum aus den Griffeln lassen, aber bewegt sich auf „Neuland“. Nicht einmal die Ausrede, dass sie ja „von drüben“ sei, darf sie sich selbst gegenüber gelten lassen, denn das „drüben“ wurde zum gesamtdeutschen „hüben“ vor inzwischen m e h r als 20 Jahren. Wie gesagt, sie halten uns alle vor dem Zug für bescheuert, deshalb mühen sie sich auch nicht mit klugen Begründungen ab bestreiten jedes Wissen von peinlichen Dingen und verschweigen, dass sie selbst an Gesetzen basteln, die den Begriff „Vorratsdatenspeicherung“ nicht nur salonfähig machen, sondern das auch staatlich genehmigen. Und wenn das wieder mal zu lautstark kritisiert wird, dann werden sie taub. Übrigens: Fragt ein Stöpsel beim Mengenbaden am Brandenburger Tor den amerikanischen Präsidenten: „Guckst du auch in Papas eMails?“ Antwortet Barrak Obama: „Das ist nicht dein Vater!“ Wieso wundern sich eigentlich Surfer, dass sie überwacht werden?

Nochmal Berlin oder auch Düsseldorf oder anderswo: Es gerät ja schon bisweilen zur Qual, den Regierenden beim Regieren und den Opponierenden beim Opponieren zuzuschauen. Kaum sind Regierende in ihren Rollen sortiert, kaum sind Opponierende an ihre Rolle gewöhnt, verlieren bei stets den Bezug zu allem, was zum gesunden Menschenverstand und zur alltäglichen Realität von Menschen gehört. Dann legt sich offenbar eine Galertkapsel um die Kalotte und hindert nachhaltig daran, dass Eindrücke, Ratschläge oder gar Erkenntnisse dort anlangen, wo sie Konstruktives anrichten könnten. Zwei Dinge lernen allesamt (ich räume ja durchaus Ausnahmen von diesen Regeln ein, aber wo verstecken die sich bloß) ganz schnell: Die eigene Omnipräsenz und die eigene Omnipotenz als grundsetzlich gewollt zu verstehen. Irren scheint weder gestattet noch systemimmanent zu sein, das kann sich jeder Einzelne noch so Mühe machen, es gelingt ihm nicht, sich bei einem Fehler zu erwischen. Und aus dem parteipolitischen Hintergrund krabbeln sie bereits, die Nachwüchsel und man sieht ihren windschnittigen Mienen an, dass sie wild entschlossen sind, mindestens Außenminister oder so zu werden. Nein, nicht wirklich alle sind so, aber leider sind viel zu viele so.

Aus dem Banker-Neverland: Wussten Sie schon, dass es einen Carry-Trade gibt. Also das ist ungefähr so: Ich leihe mir bei der Sparkasse für 1 Prozent Zinsen Geld, das ich für zwei Prozent bei der Volksbank anlege und das ist dann mein Profit. Klar, macht doch keine Bank, aber kann man machen, wenn man beispielsweise in den USA Geld ausleiht und in China anlegt. Dann bekommt der Trade (Handel) den Namen Dollar/Renminbi-Carry-Trade. Renminbi Yuan ist Chninas Währung. So, und nun droht da wieder mal ein Blase zu platzen, und wenn die das tut, gerät weltwirtschaftlich wieder so einiges aus dem Lot. Denn, wenn in den USA es lohnender werden sollte, Geld anzulegen, kehrt sich nach Expertenmeinung die Sache fix um, und alles will durch die Tür wieder in den Dollar. Und die Tür ist schmal. Ja, und? Wird man sich fragen. Hätten die Experten, die doch stets alles zuvor erahnen, nicht auch das erahnen können? Klar, hätten sie. Peter Bofinger, Sachverständiger der Bundesregierung, sagte es schon mal allgemein verständlich: „Carry Trade ist eine üble Erscheinung.“ Andere sahen das anders und verdienten sich reich und reicher. Bis sie mal wieder platzt, die Spekulationsblase und davor wird nun gerade von Bankern gewarnt. Meine unmaßgebliche, aber unumstößliche Meinung bleibt: Bankrott kommt von“banka rotta“ (zerschlagene Bank). Es werden also wieder Bad Banks gegründet werden müssen, und das ist so ähnlich wie wenn man manche Banker „zuverlässig“ nennt.

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