Von Paranoia und meiner täglichen Sorge vor dieser

Was Ice-T, so meint ...

Was Ice-T, so meint …

Wollte mich mal wieder melden. Als merkwürdiges Haustier hat man ja so seine Probleme wahrgenommen zu werden, zumindest als jemand, der sich ernsthaft über Weltgeschehen oder auch mal ernsthaft ernst zu nehmende Dinge Gedanken macht. Bin dran gewöhnt, dass sich andere da viel wichtiger nehmen oder sich vielleicht auch zu wichtig nehmen oder Entwicklungen nur dann wichtig nehmen, wenn sie für die eigene Klientel wichtig werden.

Bayern: In diesem eigentlich wirklich schönen Lande lebt Gustl Mollath. Das ist ein ehrenwertes Mitglied der bayerischen Gesellschaft gewesen bis er einen entscheidenden Fehler beging. Er machte öffentlich, dass die HypoVereinsbank unter Mithilfe seiner damaligen Ehefrau in nennenswerten Größenordnungen Schwarzgeld gewaschen hätte. Böser böser Fehler. Denn fortan soll er gewalttätig gegenüber der Gattin geworden sein, fortan soll er an einer Paranoia erkrankt sein, die raumgreifend in sein Bewusstsein drang, fortan gingen die Gerichte auf ihn los. Er wurde mit der ganzen Strenge Justitias überzogen, aber milde – weil für nicht straffähig erkannt – veruteilt. So sitzt er seither nicht in einer der gepflegten bayerischen Strafanstalten, sondern bevölkert die forensische Abteilung des Bezirkskrankrankenhauses Bayreuth. Und das immer noch, obwohl „Report Mainz“ 2012 nachwies, dass bereits 2003 die HypoVereinsbank in ihrem Revisionsbericht Feststellung traf, die Gustl Mollaths Aussagen stützten – wohlbemerkt, die HypoVereinsbank. Alle Versuche, das Verfahren gegen Mollath wieder aufzunehmen scheiterten bisher. Hier von Skandal zu sprechen, halte ich für untertrieben. Und wieder stellt sich mir die uralte Schlüsselfrage: Wie wäre es wohl heute um Uli Hoeness bestellt, wenn er eine Bank anstatt der Staatskasse beschissen hätte? Ob unser aller Kanzlerin ihm auch dann noch entzückt die Hand schütteln würde?

Istanbul: Da sind immer noch weite Teile der Bevölkerung auf einem Vierkantkollisionskurs mit ihrer Regierung. Zwar halten sich die meisten an die verfasste Tatsache, dass ein Gewaltmonopol nur beim Staat angesiedelt sei – wehren sich nicht gegen die Prügel von Polizisten, aber dennoch macht sich der Gewaltmonopolist Staat inzwischen große Sorgen. Denn: Ihm geht das Tränengas aus. Fatal, wenn sie solches täglich in die Gesichter protestierender Landsleute spritzen müssen, um ihrem Monopol gerecht zu werden. Schließlich sind die ja inzwischen daran gewöhnt, haben inzwischen vielleicht gar ein Recht darauf. Ich sehe schon, bald muss Herr Erdogan auf Tränengas-Einkaufstour gehen – vielleicht im Iran, da sind Demos eher selten, oder in Amerika, da sind Demos abgeschafft worden, oder in Berlin, Deutschland ist doch Exportweltmeister auch bei Waffen und Tränengasgranaten, das ist doch wohl eine waffige Bezeichnung. Können einem so richtig leid tun, die regierenden Türken in ihrer bald tränengasfreiem Land.

Paris-Le Bourget: Bei der legendären Flugzeugmesse ist ein Star geboren – der braucht keinen livrierten Kapitän, um ans Ziel zu gelangen. Die Drohne in allen ihren länderspezifischen Variationen zieht die größte Aufmerksamkeit auf sich, bedröhnt quasi die interessierten Besucher. Vielleicht ist ja auch eine deutsche Delegation zugegen, dann sie ein bisschen erforschen kann, ob eine Drohne ausländischer Provenienz das kann, was das untaugliche Gerät nicht konnte, das Herrn de Maizière in die bekannte Misere stürzte.

Berlin: Kennedy-Obama-Brandenburger Tor, da vermuten wir ja schnell mal Zusammenhänge. Hoffnung auf Personen, Widerstand gegen eine kontrollsüchtige Staatsgewalt, Sehnen nach Freiheit und dessen Befriedigung. Na, letzteres – also Widerstand gegen kontrollsüchtige Staatsgewalt und Sehnen nach Freiheit – das hat sich ja bestätigt. Der smarte Herr Obama sprach es klar und unmissverständlich aus: „Wir durchwühlen keine eMails!“ Also, wenn er das sagt … Mh, das war doch auch in der Nähe des Brandenburger Tores: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen!“

1 comment for “Von Paranoia und meiner täglichen Sorge vor dieser

  1. Heike Gutzmerow
    23. Juni 2013 at 11:14

    Hey, Rudi es gibt ja den Ausdruck “ es ist etwas faul im Staate Dänemark“, ob dies stimmt vermag ich nicht zu kommentieren. Für den Freistaat Bayern mag dies auch wohl zustimmen. Diese Beispiele lassen mich persönlich an all mein demokratisches Staatsverständnis zweifeln. Bin überaus gespannt was in Fällen Mollath und Hoeness noch passiert. Ich befürchtet jedoch schreckliches denn „es ist etwas faul im Freistaat Bayern“.

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