Ice-T meint: Sind wir im 21. Jahrhundert angekommen?

Was Ice-T, so meint ...

Was Ice-T so meint …

Hi, Leutz! Mein Name ist Ice-T, ja, wie Eis-Tee, nur englisch und in Kurzschreibweise. Jeder fragt mich, jeden Morgen, jedes Mal, wenn wir uns begegnen, warum ich so griesgrämig in die Welt schaue. Und jedem antworte ich, an einem jeden Morgen, jedes Mal, wenn wir uns begegnen: „Schau doch genau hin, sieh dir diese Welt an, und dann sage mir, dass ich bei diesem Anblick fröhlich dreinschauen solle!“ In den meisten Fällen trollen sich meine Morgenbegegnungen und nicken zum Abschied stumm mit dem Kopf.

Heute beispielsweise treibt mich um und lässt meine edlen Gesichtszüge noch mal zeitgegerbter entgleiten:

In Unna sind Menschen eingetroffen, die daheim in ihrer sogenannten Heimat, vertrieben wurden, weil sie entweder falsch denken, falscher Herkunft sind oder sonst irgendetwas Falsches an sich haben (erinnere mich da an alten Zeiten). Daran ist nichts falsch, falsch macht nur eine NRW-Landesregierung etwas, weil sie sich seit einem Jahr darauf verlässt, dass Unna und seine ehemaliger Landesstelle es schon richten werden, und da kann man ja mit der Schaffung neuer Einrichtungen für Flüchtlinge – beispielsweise im Rheinland – ja noch zuwarten. Unna ist ja genügsam, Unna können wir ja auch Straßenplanungen kippen, die seit langem und zäh abgestimmt sind, Unna können wir ja auch Zensus-Zahlen über die Menge seine Einwohner liefern, die im Unnaer Melderegister nicht nachvollziehbar sind, Unna müssen wir ja nicht wirklich haben, erst bei einer nächsten Wahl wieder, weil die ja ernsthaft vielstimmig in der Statistik auftauchen. Haben die vielleicht doch ein paar Einwohner mehr? Aber zurück zu den Neuankömmlingen in Massen: Sie sind willkommen, langsam nervig sind nur das Land NRW und seine Regierung. Also: Vor dem Verwaltungsgericht sehen wir uns wieder.

In Berlin kommen sogar prominente Köpfe der CDU dahinter, dass unser aller Land doch noch im 21. Jahrhundert angekommen ist. Ursula von der Leyen allen voran, die hat ja nun bekanntermaßen den Kopf nicht nur zum Haareschneiden zwischen den Schultern. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sollen steuerlich alsbald den Ehen, vor Gott, aktueller Kanzlerschaft und was noch sonst geschlossen, gleichgestellt werden. Aber: Die CDU verspricht, dass es dabei bleibe, dass die Ehe unverrückbar im Mittelpunkt der Familienpolitik stehe – oder so. Klar, Kinder wachsen auch geschlagen in männlich-weiblicher Partnerschaft auf und sind lebenslang geschädigt. Kinder wachsen auch in Ehen auf, die geschieden werden, was manchen Kindern mäßig gut tut. Kinder wachsen auch bei alleinerziehenden Männern oder Frauen auf, was ihnen manchmal gut tut und manchmal weniger. Kinder kommen manchmal in Pflegefamilien, und auch die tun nicht in jedem Falle gut. Aber, so denkt gern das konservative Gemüt: Auf keinen Fall kann es Kindern gut tun, wenn sie von gleichgeschlechtlichen Paaren adoptiert werden. Und fast vorauseilend schmiss der katholische Weltbild-Verlag (Filiale ja auch in Unna) Bücher aus dem Sortiment, die von Schwulen verfasst wurden oder von ebensolchen handeln. Noch schlimmer Russland, die verbieten per Gesetz inzwischen offene Homosexualität und öffentliche positive Äußerungen über dieselbe. Aber wundert nicht weiter, in Russland ist man zu intensiv dabei versäumten Kapitalismus aufzuholen Da gibt es sogar eine Duma-Abgeordnete namens Muslima, die allen Ernstes behauptet, dass die Nachkommen künstlich befruchtet gezeugte Kinder schon in der zweiten Generation unfruchtbar seien. Ich korrigiere mich doch ganz fix: Nein, wir sind n i c h t im 21. Jahrhundert angekommen. Und irgendwie hege ich Sympathien für Frau von der Leyen, die denkt.

In Dortmund gibt es ja einen Fußballverein, der sich inzwischen von allerlei Medien die Feststellung gefallen lassen  muss, dass er weit entfernt davon sei, das „Problem Lewandowski“ gelöst zu haben. Ja wo simmer denn? Lewa hat sich selbst und seinem Verein, der ihn groß machte, ein Problem geschaffen, das der Verein auf seine Weise inzwischen gelöst hat: Lewa muss bleiben. Das kann er akzeptieren, wenn er schlau ist, denn er hat ja mal einen Vertrag unterschrieben. Das können auch seine kostenintensiven Berater akzeptieren, werden es aber wohl nicht. Und der BVB kann sich zurücklehnen und sich sagen, dass er keinen Handlungsbedarf hat. Den haben nur Lewa und seine Berater.

In Instanbul wurde mit Macht und dem staatlichen Gewaltmonopol der Taksim-Platz nach Tagen des Protestes entvölkert. Nun will ich keineswegs mich dazu aufschwingen, ein guter Kenner der türkisch-internen Verhältnisse zu sein. Aber ich habe auch einmal Bilder gesehen, die Regierungsvertreter im Gespräch mit Vertretern der Protestierenden zeigen. Die sprachen miteinander, was ich für besser halte, als staatsgewaltig einen Innenstadtplatz besenrein zu machen. Wer da oder anderen Ortes glaubt, dass derlei Aktionen zu nachhaltiger Beruhigung betragen, irrt und lernt nicht aus der Rückschau. Aber, seit wann haben wir denn Verstand erfunden, dass wir ihn zum Verstehen nutzen.

So, ich verabschiede mich erst einmal und verspreche, demnächst häufiger vorbei zu schauen, um scharfen Senf dazu zu geben und meinen persönlichen Griesgram zu erklären.

Ice-T

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