Langsam wird es zur Plage mit den Plagiaten

Freiherr Theodor (die anderen Vornamen spare ich mir) von und zu Guttenberg (CSU), Matthias Christoph Pröfrock (CDU), Florian Graf (CDU), Silvana Koch-Mehrin (FDP), Giorgios Chatzimarkakis (FDP), Bijan Djir Sarai (FDP), Margarita Mathiopoulos (FDP), Uwe Brinkmann (SPD) und Annette Schavan (CDU) sowie Veronika Saß-Stoiber, Dominic Stoiber – das sind so ein paar Namen von solchen, die entweder angeblich oder später mal gutachterlich festgestellt bei ihren Promotionsarbeiten geklautes Material genutzt haben. Ist ja schon übel, ist ja schon verwerflich, denn jede und jeder, der eine später benotete Arbeit abgeliefert hat, wird das Würgen kriegen, wenn er nun liest, dass ein paar Promis besser gemogelt haben als er während seiner gesamten Schul- bzw. Studienzeit.

Aber, bevor wir uns nun bundesweit darüber aufregen, dass jetzt auch der Vize-Kanzler (ja , das ist er) Philipp Rösler sich eines wie auch immer gearteten Vergehens bei der Erstellung seiner Doktor-Arbeit schuldig gemacht haben soll, versuchen wir doch die Kirche im Dorf, die Füße am Boden und den Kopf zwischen den Schultern zu lassen. In einem Internet-Blog wird berichtet, dass der Rösler, Philipp 2001 mit einer Arbeit von nur 59 Seiten Umfang seinen Doktortitel erworben habe, und auch die seien nicht ausschließlich von ihm, sondern schon einmal von wem verfasst worden und überhaupt – es handele sich mehr um Statistisches als um Wissenschaftliches.

Nun bin ich ja über jeden Zweifel erhaben, größere Zuneigung gegenüber Röslers, Bubi oder den oben Genannten zu haben. Von vielen kenne ich gerade mal den Namen, von manchen nicht einmal den und von den einen oder anderen will ich auch gar nichts wissen. Ich habe früher stets nur milde gelächelt über die Tatsache, dass Helmut Kohls Arbeit nur 160 und ein paar zerdrückte Seiten umfasste und angeblich inhaltsleicht schwadronierend daher kam. Ich habe zugegebenermaßen breit gegrinst, als der freiherrliche Guttenberg von seinem Rösslein purzelte und noch ein paar andere sich nach universitärer Nachbegutachtung ihrer Traktate kleinlaut in den Hintergrund verzogen.

Aber erstens, werden nur die Prominenten erwischt, für die anderen zig tausend Doktorarbeiten interessiert sich keiner, lässt sich ja auch in keinem Medium eine Story draus machen. Und zweitens – im Falle Philipp Rösler – reden wir von einer Doktorarbeit eines Mediziners. Bei den Doktoren, obwohl ich deren Alltagstätigkeit sehr bis gewaltig hoch einschätze, ist der Titel, wenn man so will, Teil der Berufsbekleidung. Sie werden auch dann mit „Herr Doktor“ angesprochen, wenn sie gar keinen Titel haben – es gibt sie zwar, aber sie sind eher selten, weil ein Titel eben zum Doktor gehört, wenn es sich um einen Mediziner handelt.

So wurden und werden Doktortitel bei Medizinern nicht so ganz selten durch Auswertungen von Statistiken, zusammengestellt aus Krankenakten oder ähnlichem erschrieben. Oder es halten auch schon mal Untersuchungen über die Wirkfähigkeiten verschiedener Medikamente bei verschiedenen Individuen mit verschiedenen Krankheitsbildern  dafür her. Finde ich auch nicht weiter schlimm, wenn später ein prima Diagnostiker in den Praxisalltag steigt und ich ihn Herr Doktor nennen darf, ohne dass er schuldlos zum Titel-Hochstapler wird.

Aber, es ist eben derzeit anscheinend très chic, Plagiate nachzuweisen. Nun ist der Phillip dran und ich bin mal gespannt, was Bloger und Plag-Jäger noch so alles herausfinden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.