Was einfache Bahnkunden so aus der Bahn wirft

1000 Automaten  auf den Bahnhöfen weigern sich, Fünfer zu akzeptieren. Die Bahn arbeitet dran.

1000 Automaten auf den Bahnhöfen weigern sich, Fünfer zu akzeptieren. Die Bahn arbeitet dran.

„Wie lange zieht die Ausrede denn noch“, fragte am Ende der Unterhaltung wohl gelaunt ein junger Mann, der sein Fahrrad in den Regionalzug-Waggon bugsiert hatte und umgehend von einer durchaus freundlichen Uniformierten darauf aufmerksam gemacht wurde, dass solche Züge eigene Abteile an ihrem Ende mit sich führten, damit solch sperrige Begleiter untergebracht werden können. Weiterhin wohl gelaunt merkte der Jüngling an, dass dieser Weg aber sehr weit gewesen wäre, was die freundliche, aber bestimmte Uniformierte indes auch nicht weiter beeindruckte. Aber, das wir ja schon zwischen Unna und Holzwickede waren, der junge Mann in Schwerte wieder aufsteigen wollte und der Zug keineswegs überfüllt war, beließ sie es bei der Anmerkung. Die gültige Fahrkarte wolle sie aber doch sehen.
Diese Bitte brachte den Jüngling vorübergehend aus dem Konzept, weil er einräumen musste, keine solche mit sich zu führen. Die freundlich Uniformierte blickte ihn schon ein wenig düsterer an, aber er konterte sogleich: „Ich wollte ja, hatte aber nichts passend und wollte einen Fünfer in den Zahlschlitz schieben, aber die neuen nimmt der Automat ja nicht!“ Die beiden wurden sich alsbald einig, dass der junge Mann kein Schwarzfahrer sei, dass er wie geplant in Schwerte aussteigen möge und das mit dem Radl sei auch verziehen. Die Frage, wie lange die Ausrede mit den neuen Fünfern noch zöge, vermochte die freundliche Uniformierte allerdings nicht zu beantworten.

Kurz darauf las ich: „Bahngewinn bricht ein!“ Wundert mich das?

Nein, ein paar zahlungsunfähige Kunden, die vor einzahlungsunwilligen Automaten kapitulieren (sind nach Bahnangaben nur rund 1000 von rund 7000 insgesamt), sorgen nicht für die Halbierung des Bahngewinnes, da trägt die hartnäckig zitierte Wirtschaftskrise dran schuld. Und an dem Automaten-Desaster ja auch nicht die Bahn, vielmehr unfähige Zulieferer, sagt die Bahn.

Nun ja, in Unna wird der Bahnhof schön gemacht, macht aber eher weniger die Bahn selbst als vielmehr die Stadt in weiten Teilen, In Stuttgart vergräbt die Bahn gemeinsam mit Bund und Land BaWü Gewinne, die sie eigentlich in was Kunden orientiertes investieren könnte. In Hagen bleibt ein Industriedenkmal, gemeint ist der historische Bahnhof, unsaniert weil er das nicht benötigt, sagt die Bahn. In Dortmund gammeln in den Vorstädten traumschöne Gebäude vor sich hin, weil die Bahn ja Stuttgart bauen muss. Wieder mal alles bedeutende Beiträge der Wirtschaft zum Thema „Privat vor Staat“.

So schön begrüßt der Bahnhof Hagen in der Eingangshalle seine Kunden. Nur wie es dahinter aussieht ...

So schön begrüßt der Bahnhof Hagen in der Eingangshalle seine Kunden. Nur wie es dahinter aussieht …

Was rege ich mich so auf: Vermutlich weil ich gestern erst den Tag hauptsächlich mit Bahnfahren verbracht habe, denn ich fahre ja richtig gern Bahn, wenn die Bahn mir diese Freude zulässt. Und weil ich mit seit ich diesen Bahnhof kenne darüber echauffiere, wie die Bahn am Standort Hagen mit ihrem Eigentum umgeht und ihre Kundschaft und deren Befindlichkeiten ignoriert.

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