Ich fror, als die „festa italiana“ begann – aber schön war es doch

Imperial bewacht von Legionären war Bürgermeister Kolter.

Imperial bewacht von Legionären war Bürgermeister Kolter.

So ein mieses, ekliges, unangenehmes Wetter hatten wir in den Gründerzeiten der „U(n)na festa italiana“ mal, aber in neuer Zeitrechnung nicht. Als ich die Bahnhofstraße hinauf stapfte, um dabei zu sein, wie unser Bürgermeister Werner Kolter den Topact der Unnaer Feste schlechthin eröffnete, wurde ich nass, bis auf die Knochen und musste an mich halten, dass ich wohl gelaunt blieb. Es gelang.

Wolfgang Rickert (städtisches Ordnungsamt) und Thomas Sprenger (Imbiss-Betreiber mit Bestgeschmack) waren die ersten, denen ich begegnete. Auch ihr Verhältnis zu den Wetterumständen wirkte eher angestrengt, dennoch blieben sie bester Einstellung auf das Gesamtgelingen des minutiös vorbereiteten Festes. Im Vorübergehen fiel mein Auge auf Geschmeide, das ich als gut gestaltet empfand, wollte aber nicht unnötig weiterhin Regentropfen auf mich ziehen und versprach der freundlichen Dame hinter im eingenässten Verkaufsbereich beim Rückweg noch einmal vorbei zu schauen. Sie meinte: „Bis nachher.“ Ich schlängelte mich wieder durch die Regentropfen.

Ebenso eilig wie triefend stürmte die Besatzung eines WDR2-Ü-Wagens an mir vorbei. Immer das Ziel vor Augen, noch ein paar Bilder einzufangen, die nach dem nördlichsten Lichterfest italienischer Provenienz aussehen könnten. Ihre Eile zeigte mir, dass sie schnell wieder ins Studio zurück wollten. Verstehen konnte ich sie ja schon.

Da folgen Männer auf's Wort: Daniela Guidara sagt den Legionären, was sie zu tun haben-

Da folgen Männer auf’s Wort: Daniela Guidara sagt den Legionären, was sie zu tun haben.

Oben auf dem „Alten Markt“ angekommen, bestaunte ich eine Handvoll durchnässter Legionäre, die artig jedes Kommando aus dem Munde von Daniela Guidara (Stadthalle, Marketing GmbH) befolgten, ohne auch nur eine Spur ihrer imperialen Würde dabei zu verlieren. Kurze Zeit später sollten sie grimmig schauend Bürgermeister Kolters Rede vor dem überdachten Podest bewachen. Und es regnete immer noch.

Etwas ungnädig mit dem Wetter war Domenico Peloso, der Vater der festa.

Etwas ungnädig mit dem Wetter war Domenico Peloso, der Vater der festa.

Ein wenig missmutig verfolgte Domenico Peloso das Treiben und warf sich ein Helles ein. Der Vater der „festa“ hatte selten so ein Sche … wetter bei einer Eröffnung erlebt. Sein alter Kollege Angelo Santoro trug’s mit Humor und zeigte sich sicher: „Wirde morgen besser!“ Und dann kam es. Am Marktausgang zur Hertinger Straße sah ich einen weißen Haarschopf blinken, der meine Aufmerksamkeit zu sich sog. Ich näherte mich dem Zelt, tippte dem Weißhaarigen auf die Schulter und der drehte sich neugierig um.

So sieht man sich wieder:Der alte Freund Josef (Giuseppe).

So sieht man sich wieder:Der alte Freund Josef (Giuseppe).

„Josef!“ entfuhr es mir glücklich. Giuseppe Muratore war es tatsächlich. Ja, der Giuseppe von „Giuseppe und Alfredo (der heißt Greco)“, die Zwei, die Unna jahrzehntelang mit Kneipen beglückten („For You“ und  „Journal“ z.B.). Er ist wieder da. Vor Jahren aus Italien, wohin er heimkehrte, wieder zurück. In Unna den Neubeginn versucht, aber nun in der Stadt, die es gar nicht gibt (richtig: Bielefeld) gastronomisch tätig. Umarmung wie in Zeiten unser beider Jugend, dann Vino und Wilfried Bartmann (einst Vize-Bürgermeister Unnas). Alte Zeiten beschworen – schöööön.

Wir verabschieden uns von Josef, nicht ohne den Wunsch mitzunehmen, dass es doch wohl möglich sein muss, für den alten Italo-Kneipier einen Platz in seinem Unna zu finden.

Im Gasthaus Agethen von Karl Dittrich wurde es immer voller.

Im Gasthaus Agethen von Karl Dittrich wurde es immer voller.

Okay, schauen wir noch bei einem ganz frisch gebackenen Kneipier vorbei. Und so trollen Wilfried und ich uns ins wiedereröffnete Gasthaus Agethen, um Karl Dittrich zu besuchen, dessen Laden sich stetig füllt, weil es draußen immer noch kübelt und es immer mehr Festbesuchern zu frisch wird. Fröhliches Wiedersehen, Riesenspaß mit gemischtem Publikum. Da sind alte Stammkunden ebenso glücklich am Tresen oder an gleichnamigen Tisch wie vermutlich neue, die sich um Hermann Strahl, Klaus Koppenberg und Steffi Schmidt versammeln. Karl zapft Bier wie ein Alter und unterhält sich liebevoll-freundlich mit jedem. „Bei Agg“i wird wiedergeboren, toll.

Nach längerer Zeit als es erscheinen mag, trete ich den Rückweg Richtung Rathaus an. Ich renne beinahe in eine gut gelaunte Gruppe Menschen, die im Rudel dem Genuss eletronischer Zigaretten frönt. Glaub‘ ich es denn? Jochen Brettschneider und Werner Hortig nebst Freundeskreis laufen tätig Reklame für Hightechsmoke. Sie, die früher kulinarische Höchstleistungen vollführten und gern mal rauschende Nächte in der Innenstadt verlebten (ja, ich war auch dann und wann dabei), machen diesen Abend zum perfekten Abschluss eines Wiedersehensmarathons.

Ich halte Wort: Bei der netten Dame am Geschmeidestand gehe ich noch mal vorbei – und erstehe das Stück, das ich zuvor erspäht hatte. Dann wende ich mich der Richtung Bahnhof zu, dass ich mit meinem Geschenk heim fahre. Michael Nicolaiciuc steht mit Kolleginnen und Kollegen im Bierwagen, an dem niemand ein Bier trinkt, weil … richtig, es regnet immer noch. Prächtige Laune hat die Supertruppe des Stadtmarketings dennoch. Und die habe ich auch. Das gibt es auch nur in unserer Stadt, dass ein Festauftakt total verregnet, aber alle, die dabei waren, super drauf bleiben.

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