„Maria Grappa“ kommt aus Unna: Bei uns machte Autorin Gabriella Wollenhaupt Abitur

Gabriella Wollenhaupts neuestes Buch: "Grappa und die Toten vom See".

Gabriella Wollenhaupts neuestes Buch: „Grappa und die Toten vom See“.

1993 erschien der erste Krimi mit Titelheldin Maria Grappa, 23 weitere folgten bis heute. Die weibliche Antwort auf Leo P. Ard (richtiger Name ist dem Autor bekannt) machte sich auf einen erfolgreichen Weg: Gabriella Wollenhaupt. Die hieß mal Schneider mit Nachnamen, kam mit ihren Eltern nach Unna, weil der Vater nicht nur Lehrer, sondern auch Bundeswehroffizier war und ins Garnisonsstädtchen versetzt worden war. Und da liefen Gabriella Schneider und ich uns über den Weg. Ich war bei den Ruhrnachrichten in der Niesenstraße damit beschäftigt, täglich eine Zeitung zu verfassen, sie war mit den Falken im Sommerlager und berichtete später Erschröckliches (zumindest für die damalige Zeit) darüber. Fortan blieb sie in meinem Blickfeld, aber wir sahen uns erst wieder, als in Dortmund ihr langer Kampf gegen Arbeitgeberwillkür bereits Wogen schlug, sie ans Krimis-Schreiben noch gar nicht denken konnte, weil zwischen 13 Arbeitsgerichtsprozessen (allesamt gewonnen) für so was keine Zeit war.

Dann war sie auf einmal beim WDR und ist es noch heute. Erdmann Linde, der zwischenzeitlich mal ihr Chef war, hat Dauerhaftes gepflanzt, noch dauerhafter aber ist ihre Romanheldin, eben jene Maria Grappa, die 1993 in „Grappas Versuchung“ Premiere feierte und damit begann, sich selbst und ihre Schöpferin berühmt zu machen.

„Grappa und die Toten vom See“ ist der unverwüstlichen  Polizeireporterin jüngstes Krimistück. Es geht wie so oft um Bierstadt (Dortmund?), Bierstadts (Dortmunds?) unerschütterliches, aber bisweilen bedenkwürdiges Drumherum und diesmal um Bierstadts (Dortmunds?) Neo-Nazis-Szene.

In der oberitalienischen Idylle des Lago Maggiore werden die Mahlers (Vater, Mutter, Kind) aus Bierstadt (Dortmund?), der israelische Journalist David Cohn und ein nicht näher bekannter Radfahrer ermordet entdeckt. Erste Spürchen führen an den metropolen Ostrand des Ruhrgebietes, Maria Grappa nimmt Witterung auf und bleibt hartnäckig. Alte Nazis, junge Nazis, Ist-doch-alles-nicht-so-gewesen-Zeitgenossen, die Reporterin balgt sich mutig mit jeder und jedem, der nicht schnell genug auf die Bäume kommt. Ja, so ein bisschen von der Kampfeslust der Autorin hat die Hauptfigur ja.

Dann wird auch noch Marias erklärte Lieblingsbäckerin Anneliese Schmitz von Glatzen überfallen, weil sie sich der Initiative „Gesicht zeigen gegen Rechts“ angeschlossen hat. Das nährt der Reporterin Zorn und befeuert ihre Hartnäckigkeit. Aus einem Verbrechen werden immer mehr, die Aufdeckungtsquote steigt und am Ende … Na, das verraten wir aber nicht.

Gabriella Wollenhaupts Protagonistin hät sich nun seit 1993 mit derselben Hartnäckigkeit wie ihre Autorin in der regionalen Krimiszene, ist aus unserem östlichen Revier nicht wegzudenken. Offenbar ist Gabriella Wollenhaupt, die ja eigentlich aus Neuwied am Rhein stammt, unsere Region doch sehr ans Herz gewachsen, so dolle sie sich in der Vergangenheit auch über manchen regionalen Hauptdarsteller geärgert haben mag.

Grappa und die Toten vom See

Gabriella Wollenhaupt
Kriminalroman
kt., 222 Seiten
EUR 9.99, E-Book EUR 9.99
ISBN 978-3-89425-418-6
Erscheinungsdatum: 05/2013

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