Karl Dittrich bringt uns den Aggi zurück!

Karl Dittrich

Drei Generationen Rundschau-Fotografen pinseln, dass es bald wieder „bei Agethen“ gibt. Karl Dittrich (Mitte), Lutz Krupka (links) und Henryk Brock.

Wie lange eigentlich genau, vermag ich auch nicht wirklich zu sagen, aber „bei Agethen“ gehen, gehörte nun mal Sommers- wie Winterszeit dazu. Ob nun Karl-Heinz Agethens Vater im Verschlag Blondes für die Biergartengäste ausschenkte und sich dann und wann grüggelig darüber aufregte, dass die Leute in der Warteschlange zu laut waren oder Karl-Heinz selbst Bremsklötze und belegte Salzkuchen verkaufte, damit noch ein wenig Grundlage unters Flüssige geschoben werden konnte: Aggi gehörte zum Leben in unserer Stadt.

Und dann war er auf einmal weg. Hatte sich Rücken und manch anderen Bereich des athletischen Körpers krumm gearbeitet, hatte sich die Füße hinter dem Tresen und in der Küche plattgestanden, hatte eben das Verlangen, sich eine schöne Nacharbeitszeitzeit zu machen, dass sich rentiere, dass er jahrzehntelang fester Anlaufpunkt für generationsübergreifende Gästescharen war.

Nach ein paar Anläufen, die samt und sonders in die Hose gingen, graben nun Karl Dittrich und Freunde das traditionelle Gasthaus – vortreffliches Ensemble mit dem „Fäßchen“ – innerlich um und hübschen es wieder auf. Karl Dittrich, 54 Jahre alt, war einst das unerbittliche Auge des Westfälischen Rundschau. Ein Pressefotograf, der richtig gut konnte, was er täglich machte. Fünf Redaktionsleiter überstand er locker und fröhlich, nicht indes die Funke-Gruppe (einst WAZ), die kurzerhand die WR komplett eindampfte. Er, sein griechischer Freund Nico und Tochter Amira (21) – Menno, ich werde ja alt – wollen auf ihre Art wiederbeleben, was und wie Aggi einst war.

Aber erst mal kurz Situationsschilderung: Eine schwer überschaubare Anzahl Menschen, unterschiedlichen Alters und Geschlechts pinselt und werkelt sich den Wolf. Es riecht nach Farbe und abgeschliffenem Holz, mit vereinten Kräften und viel flotter Hilfe vieler Unnaer und auch vom ollen Aggi bringen die Menschen die Kneipe auf wieder schön. Karl erkenne ich sofort, Henryk Brock auch, der gaaanz viel bei Karl lernte. Und dann strahlt mich auch noch Lutz Krupka an – damals Pauschalist und auch ein guter Schüler von Bärchen, wie ich den Karl Dittrich seit wir uns kennen zärtlich nenne – obwohl dieser Spitzname eigentlich einem anderen gehörte. Und dann telefoniert dieser Karl auch noch mit Ralph Bodemer, den auch mal sein Fotovolontariat nach Unna führte.

Klingt chaotisch, ist es aber nicht, denn unschwer lässt sich erkennen, dass hier ein Kneipenraum von Niveau und gutem altem Stil entsteht. „Ja, wir wollen zwar nicht wie Aggi sein – das kann keiner außer ihm selbst – aber wir wollen seinen Stil beibehalten“, verspricht Karl. Draußen über der Tür, die über die kleine Treppe zu erreichen ist, wird wieder die Außenreklame „Gasthaus Agethen“ prangen, drinnen gibt’s Bremsklötze (nach Aggis Originalrezept) und Salzkuchen. Frisches Pils und gute Unterhaltung, entweder mit dem Nachbarn am Tresen oder mit Karl Dittrich oder den anderen Gastwirtsfreunden. Einen Koch will er zudem einstellen, damit nicht nur die endleckeren Bremsklötze schmecken. Denn: Karl Dittrich hat zwar Gastronomieerfahrung, aber er weiß auch, dass Kochen was besonderes ist.

„Im Reiche des Wassers“ in Schwerte verdiente er sich Gastronomiesporen, bevor er als Fotograf sein Glück nicht nur versuchte, sondern es auch fand. Oder in der Schwerter „Waage“, wo wir uns vielleicht schon mal begegneten, als ich noch bei den Ruhrnachrichten war und gelegentlich dort mit Hans Schneider (WR), Klaus Mendel (RN) und „Ente“ Bäcker (RN) das Feierabendbier zu mir nahm. Ich war jung und suchte nach Welt. Und dann gastronomierte er auch noch im „Fäßchen“ – nein nicht gegenüber, sondern im Dortmunder Kreuzviertel.

„Wir wollen wie gesagt unseren Aggi nicht nachmachen, aber wir wollen hier seine spezielle Kneipenkultur versuchen fortzusetzen, deshalb gibt er mir ja auch sein Bremsklotz-Rezept“, sagt Karl Dittrich. Quasi symbolisch, nach dem Motto: „Alles wird wieder so ähnlich wie es mal gut war“. Karl will uns offenbar ein Stück Aggi, ein Stück Unna wieder zurückbringen. Wenn’s klappt – und da bin ich ziemlich zuversichtlich – schaue ich meinem alten Freund und Kollegen in die treuen Augen, dann: „Danke, und Glückauf, Karl!!!!!!!!!!“

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